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Tatsächlich werden sich die schwächere Nachfrage und die vorübergehenden Produktionsstillstände in China, Südkorea und anderswo auf kurze Sicht auf die Gewinne auswirken. Technologiebereiche mit bedeutenden asiatischen Lieferketten – etwa Hardware, Halbleiter, Komponenten usw. – werden stärker beeinträchtigt. Allerdings erwarte ich nicht, dass sich das Virus auf längere Sicht nennenswert auf die Unternehmensgewinne auswirken wird. Daher könnten sich bei einigen Aktien Kaufgelegenheiten ergeben, wenn die Stimmung zu pessimistisch wird.

Rückgang der Nachfrage, jedoch begrenzte langfristige Auswirkungen

China ist der zweitgrößte Technologiemarkt der Welt, knapp hinter den USA. Asien ist insgesamt die Region mit der größten Nachfrage. Daher wirken sich Quarantänemaßnahmen der chinesischen Regierung und anderer Länder entsprechend aus. Hinzu kommt: Technologiekäufe werden zu einem großen Teil auf Reisen getätigt, so dass die Reisebeschränkungen eine weitere Hürde darstellen.

Smartphones und 5G: aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Der Smartphone-Sektor gibt besonderen Anlass zur Sorge. Bei den meisten chinesischen Verbrauchern wird die größte technologische Anschaffung im Jahr 2020 wahrscheinlich ein Upgrade auf ein 5G-Smartphone sein. Zudem werden so gut wie alle Smartphones in China produziert.

Das Virus wird sich tatsächlich auf die kurzfristige Nachfrage auswirken. Doch wie bei anderen langlebigen Konsumgütern wird es Käufe wahrscheinlich nur verzögern. Apple, das im Portfolio untergewichtet ist, schloss vorübergehend Filialen in ganz China. Andere Geschäfte werden mit eingeschränkten Öffnungszeiten und „geringem Kundenaufkommen“ betrieben. Das Unternehmen hat jedoch festgestellt, dass die Nachfrage außerhalb Chinas stark ist und dass sie den Erwartungen entspricht. Die längerfristigen Aussichten von Apple liegen schwerpunktmäßig auf dem 5G-iPhone-Zyklus. Das Coronavirus sollte darauf keinen großen Einfluss haben. Die Produktion neuer 5G-Geräte wird im Sommer anlaufen, wenn das Virus aufgrund der wärmeren Jahreszeit wahrscheinlich abgeklungen sein wird. Zudem dürften die Verbraucher, die jetzt den Kauf eines iPhones aufschieben, bis zur Markteinführung der 5G-Modelle warten. Dies kann steigende Aktienrenditen in späteren Quartalen ermöglichen.

Insgesamt spiegeln die Bewertungen des Technologiesektors die langfristigen Wachstumserwartungen der Anleger in größerem Maße wider als in vielen anderen Sektoren. Dies bedeutet: Kurzfristige Phänomene – wozu auch dieses Virus zählt – haben einen relativ geringen Einfluss auf die Bewertung.

Über die nächsten Monate hinaus wird das Virus auf die Unternehmen in der 5G-Wertschöpfungskette vermutlich nur begrenzte Auswirkungen haben. Das zeigt eine andere Portfolioposition: Hon Hai Precision Industry, das größte Dienstleistungsunternehmen der Welt im Bereich der Elektronikfertigung. Das Unternehmen macht ca. 50 % seines Umsatzes mit iPhones und geht davon aus, dass 5G eher in der zweiten Jahreshälfte 2020 und im Jahr 2021 wachsen wird. Sowohl TSMC als auch Media- Tek haben ihre Erwartungen in Bezug auf 5G nicht geändert. Die Einführung neuer Handymodelle läuft weiter, was jüngst auch Samsung und Xiaomi zeigen.

Andere Hardware, SaaS und Gaming

Neben den Smartphones werden sich auch andere Bereiche der Hardware- und Kommunikationsausrüstungsindustrie mit einer sinkenden Nachfrage auseinandersetzen müssen. Diese wird sich jedoch in den folgenden Quartalen aller Wahrscheinlichkeit nach schnell erholen. Waren, die normalerweise im ersten Quartal veräußert worden wären, werden einfach im zweiten oder dritten Quartal verkauft. In anderen schnell wachsenden Bereichen wie Software-as-a-Service (SaaS) werden die Nutzungsgebühren unabhängig vom Virus gezahlt. Dies ist ein Beispiel dafür, wie die bessere Vorhersehbarkeit und Beständigkeit der Gewinne einige Bereiche des Technologiesektors in die Lage versetzt, Nachfrageschocks besser zu verkraften. In anderen Bereichen sind die Auswirkungen auf die Nachfrage nicht so eindeutig und nicht immer so gravierend. Spielehersteller mussten Konferenzen und E-Sportturniere absagen; auch die Produktion von Geräten, Konsolen usw. wurde unterbrochen. Doch angesichts vieler unter Quarantäne gestellter Menschen ist die tatsächlich mit dem Spielen verbrachte Zeit gestiegen. Spieleentwickler reagierten auf den Ausbruch des Virus sogar mit der Ausweitung oder Einführung neuer In-Game-Werbeaktionen und Kaufoptionen. Angesichts der geplanten Einführung neuer Konsolen der nächsten Generation von Sony und Microsoft im Laufe des Jahres war die Nachfrage nach den alten Modellen bereits zurückgegangen.

Auswirkungen auf die Lieferkette: zukünftige Chancen zur Diversifizierung?

Eine größere langfristige Auswirkung des Virus liegt wahrscheinlich woanders: im Anstoß für multinationale Unternehmen, ihre Lieferketten noch stärker zu diversifizieren. US-Unternehmen hatten bereits mit zunehmenden politischen und handelspolitischen Spannungen zwischen den USA und China zu kämpfen. Dadurch gewannen die Diversifizierung und, wenn möglich, die Rückverlagerung der Produktion in die USA an Bedeutung. Das Coronavirus könnte diese Entwicklung beschleunigen und getrennte Technologieplattformen und Branchenstrukturen in den USA und China bewirken. Hon Hai rechnet damit, dass alle seine Kunden diesen Diversifizierungsprozess nach dem Virus beschleunigen werden, auch wenn es bis zur vollständigen Umsetzung noch zehn Jahre dauern wird.

Verzögerungen bei Apple und gemischte Auswirkungen auf den Komponenten- und Halbleiterbereich

Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, haben die chinesischen Behörden Fabrikschließungen angeordnet und die Bewegungsfreiheit der Bürger eingeschränkt. Selbst dort, wo Anlagen in Betrieb sind, arbeiten sie teils weit unter ihrer Kapazitätsgrenze. Unsere Gespräche mit Verantwortlichen in Unternehmen ergaben, dass die Auslastungsraten im Bereich der Industrieautomatisierung Anfang dieses Monats bei etwa 50–60 % lagen – verglichen mit 90–95 % im Dezember. Die ur- sprünglich für März geplante Einführung des neuen kostengünstigen Handys SE2 von Apple hat sich verzögert: Die Produktion in den Zulieferbetrieben hinkt aufgrund von Personalengpässen und einem Mangel an ausländischen Spezialisten hinterher. Allerdings sieht es jetzt so aus, als ob die Lieferketten wieder fortgesetzt werden. In anderen Bereichen waren die Auswirkungen auf die Unternehmen geringer. Das zeigt die Portfolioposition Corning, spezialisiert auf Glas, Keramik und verwandte Materialien und Technologien. Das Unternehmen erklärte, dass es noch zu früh sei, um die Auswirkungen zu quantifizieren. Seine Glasfabriken in China hatten am chinesischen Neujahrsfest jedoch nicht geschlossen. Daher dürfte das Virus insgesamt weniger Auswirkungen gehabt haben als erwartet.

Bei einigen Unternehmen könnten Lieferengpässe bei wichtigen Komponenten ein Problem darstellen. Dies könnte aber dadurch entschärft werden, dass die gesamten Lieferketten stillgelegt wurden und nun alle gleichzeitig wieder anlaufen. Andere hochautomatisierte Produktionsketten, wie z. B. Halbleiterfertigungsanlagen, haben einen sehr geringen Bedarf an Arbeitskräften und sind daher weniger betroffen. Ein Beispiel dafür ist die DRAM- und NAND-Flash-Produktionsstätte von Samsung in Xian. Die Lagerbestände im Halbleiterbereich sind nach wie vor niedrig und gehen weiter zurück. Es gibt zwar Potenzial für eine Wiederaufstockung, die eine Neubewertung in diesem Teilsektor vorantreiben würde. Ausschlaggebend dafür wird jedoch die Endnachfrage sein, die durch die Virusverbreitung vermutlich verzögert wurde. Andererseits sehen wir eindeutig positive 3 Fonds Aktuell – Fidelity Global Technology Fund Äußerungen von Unternehmen, dass die Nachfrage nach Clouds/Rechenzentren zurückkehrt. Dabei dürfte sich die starke Nachfrage aus dem vierten Quartal 2019 bis in die erste Jahreshälfte 2020 fortsetzen. Dies bietet ein gutes Umfeld für die Nachfrage nach Speichern in der ersten Hälfte dieses Jahres.

Größer sind die Auswirkungen in Bereichen, in denen die Lieferkette arbeitsintensiver ist: z. B. bei Smartphones. Die Hersteller von LCD-Monitoren und Fernsehern haben mit Engpässen bei den Komponenten zu kämpfen. Ein Großteil der Spielkonsolen wird in China produziert, wo der Mangel an Arbeitskräften und Material die Herstellung beeinträchtigt. Da die meisten Konsolen jedoch im vierten Quartal verkauft werden, liegt die Hauptproduktionszeit in diesem Segment in der zweiten Jahreshälfte. Auch dies deutet darauf hin, dass der Ausbruch des Virus nur relativ geringe Auswirkungen auf die Spieleindustrie hat.

FAAMNG

Es lohnt sich auch, kurz auf die Auswirkungen des Virusausbruchs auf die Branchenriesen einzugehen, die in den letzten Tagen Kursverluste hinnehmen mussten. In Fällen wie Apple spiegelt dies das Risiko der Lieferkette und der Endnachfrage wider. Amazon muss möglicherweise mit Umsatzeinbußen rechnen, falls Transportprobleme die Auslieferung an die Kunden behindern. Facebook, Alphabet und Netflix sind davon jedoch weitgehend unberührt, außer wenn Unternehmen angesichts geringerer Absatzprognosen die Werbeausgaben verringern. Microsoft hat darauf hingewiesen, dass sich die Enterprise-Versionen für Windows- Updates kurzfristig verzögern könnten. Im Vergleich zu einem Hardware-Schwergewicht wie Apple lässt Microsoft aber viel weniger in China produzieren.

Fazit

Das Coronavirus wird sich wahrscheinlich kurzfristig auf die Gewinne auswirken, besonders in Branchen mit großen Endmärkten in China und dort angesiedelten Lieferketten. Es wird jedoch meiner Ansicht nach längerfristig keine signifikanten Auswirkungen auf den Technologiesektor haben.

Im Moment gibt es eine Reihe struktureller Wachstumstrends im Technologiebereich, die alle durch das Portfolio abgedeckt werden. Die Spieleindustrie profitiert von der demografischen Entwicklung und der im Vergleich zu früher steigenden Zahl von Spielerinnen. Außerdem besteht für diese Unternehmen die Möglichkeit, Einnahmen durch neue Angebote wie Streaming-Spiele über das Internet zu generieren. In der digitalen Werbung und im E-Commerce sehen wir ein strukturelles globales Wachstum, mit einer deutlichen Zunahme des mobilen Internetverkehrs. Langfristiges Wachstumspotenzial sehen wir auch im Cloud Computing, bei dem der Zielmarkt weiterhin sehr groß ist und die Durchdringung immer noch im hohen einstelligen Bereich liegt. Weitere Impulse liefert die Digitalisierung. Unternehmen aus allen Branchen versuchen, durch die Digitalisierung effizienter zu werden und neue Einblicke in das Verhalten ihrer Kunden und ihre Geschäftsabläufe zu gewinnen.

Der Fonds investiert auch in Anlagechancen aus dem Bereich des autonomen Fahrens und der E-Mobilität. Das können sowohl Fahrzeughersteller als auch Zulieferer sein. Das breiter gefasste Thema „Transport der nächsten Generation“ scheint ebenfalls vielversprechend zu sein:

z. B. für Unternehmen, die Mitfahrgelegenheiten bieten. Im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) gibt es Möglichkeiten bei Halbleiterherstellern, die Chips für die KI- und Roboterentwicklung produzieren. Dasselbe gilt für Unternehmen, die an der Integration von künstlicher Intelligenz in ihre Geschäftsentscheidungen und in neue Dienstleistungen für Verbraucher arbeiten. 5G ist die fünfte Generation von Mobilfunknetzen; es wird eine schnellere und zuverlässigere drahtlose Datenübertragung sowie eine größere Kapazität ermöglichen. Der Fonds investiert in Anbieter von Telekommunikationsinfrastruktur und in Hersteller von Kommunikationsausrüstung und Mobiltelefonen, die von der 5G-Einführung profitieren werden. Das Internet der Dinge (Internet of Things, kurz IoT) ist eine weitere aufstrebende Technologie, bei der Informationstechnologie in immer mehr intelligente Geräte integriert wird. Die IoT- und Big-Data-Technologie ermöglicht außerdem eine Revolution in der automatisierten Produktion, der „Industrie 4.0“. Zu guter Letzt ist Chinas Technologieausbau ein weiteres Portfoliothema: Das Land bemüht sich anhaltend um den Aufbau einer eigenen inländischen Technologieindustrie.

Der Virusausbruch dürfte keines dieser Themen langfristig beeinträchtigten. Es können sich Kaufgelegenheiten ergeben, wenn die Marktteilnehmer das Risiko der Unternehmen als zu hoch einschätzen. Als Reaktion auf diese Krise werden die Firmen möglicherweise ihre Lieferketten neu überprüfen und Anpassungen vornehmen, um in Zukunft Störungen durch ähnliche Ausbrüche oder Vorfälle zu minimieren.