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ESG

Nachhaltigkeitskriterien gewinnen während der Covid-19-Pandemie an Bedeutung, wenn es darum geht, Unternehmen zu beurteilen. Der Ausnahmezustand legt nämlich offen, welche Unternehmen sich zuvor bloß als nachhaltig dargestellt haben – und welche entsprechende Kriterien tatsächlich anwenden, um damit nicht-finanzielle Risiken zu analysieren und zu senken. Die Covid-19-Pandemie wird so zum Prüfstein für verantwortungsbewusste Investoren.


Spätestens seit die Fridays-For-Future-Bewegung regelmäßig mit Forderungen nach einer effizienteren Klimapolitik für Schlagzeilen sorgt, ist auch den meisten Marktteilnehmern klar: Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Trend, sondern bestimmt die Zukunft der Wirtschaft grundlegend mit. Die weltweite Covid-19-Krise verstärkt dieses Bewusstsein nun noch einmal.

Denn ein Effekt von Ausgangsbeschränkungen und Einschränkungen für Unternehmen in vielen Ländern ist ein drastisch veränderter Blick auf Umwelt, Soziales und verantwortungsbewusste Unternehmensführung. Kurz nachdem Italien Ausgangssperren verhängt hatte, wurden Bilder von kristallklaren Kanälen Venedigs in den globalen Medien verbreitet. Satellitenbilder der NASA und ESA, die einen signifikanten Rückgang des Stickstoffdioxids in China zeigen, gingen um die Welt. Und Unternehmer, die helfen, die Krise zu bewältigen, erhalten breite gesellschaftliche Akzeptanz – während jene an Ansehen einbüßen, die jetzt nur an sich denken.

Eine starke Performance

Dabei wird auch deutlich: Nachhaltig orientierte Unternehmen stehen stabiler da als andere. Wenn aufgrund einer Krise wie der aktuellen Pandemie beinah alle Anlageklassen gleichzeitig Verluste verzeichnen müssen, sind auch nachhaltig orientierte Unternehmen und Fonds nicht sicher vor Verlusten. Sie können Schäden aber strukturell begrenzen.

Warum? Nun: Nachhaltig aufgestellte Unternehmen haben meist schon vor der Krise Wert auf gute Beziehungen zu den Mitarbeitern gelegt, haben beispielsweise darauf geachtet, Geschäftsreisen durch Telearbeit zu ersetzten, wo es möglich und sinnvoll ist. Zu einer nachhaltigen Strategie gehört es auch, vertrauensvolle Lieferketten aufzubauen und soziale Leistungen wie eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sicher zu stellen.

Faktoren wie diese spiegeln sich in der Performance wider. Im Ergebnis werden sich auch nachhaltig orientierte Fonds schneller und besser stabilisieren können als konventionelle Fonds. Das belegt eine neue Untersuchung der Fidelity Analysten. Ein Leistungsvergleich zwischen mehr als 2.600 Unternehmen nach dem internen ESG-Rating-System von Fidelity International konnte belegen: Unternehmen, die Nachhaltigkeit ernst nehmen, und die von umsichtigen und dauerhaften Management-Teams geführt werden, zeigen eine signifikant größere Widerstandsfähigkeit in Marktkrisen. Die wichtigsten Erkenntnisse haben wir in unserem White Paper „Die Krise schneller überwinden: Mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit“ für Sie zusammengefasst.

Aktien und Anleihen von Unternehmen an der Spitze der ESG-Ratingskala (ESG steht für Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung) haben in den vergangenen Wochen im Durchschnitt jene mit nur durchschnittlichen oder schwächeren Ratings geschlagen. ESG wird durch die Krise also nicht zurückgedrängt. Vielmehr ist zu erwarten, dass es sich als ein noch wichtigeres Instrument zur risikoorientieren Steuerung von Portfolios erweist.


Mit ESG auf lange Sicht besser aufgestellt

Denn Nachhaltigkeitsziele sind langfristig definiert und gewinnen damit ohnehin und auch unabhängig von der aktuellen Krise immer mehr an Bedeutung. Das beobachten auch die Fidelity Analysten. Über 90 Prozent haben jüngst erklärt, dass die von ihnen betrachteten Unternehmen zum Teil oder vollständig den Fokus stärker auf ESG lenken. Die wichtigsten Gründe dafür sind das gesteigerte Bewusstsein für den Klimawandel sowie Reformen.

Dieser Trend ist in den meisten Branchen und in allen Regionen zu beobachten, auch in solchen, wo das Interesse in der Vergangenheit zu stagnieren oder sogar zu schrumpfen schien. Auch 80 Prozent der China-Analysten von Fidelity berichten darüber, dass ESG zumindest für einen Teil der Unternehmen auf ihrem Radar inzwischen einen höheren Stellenwert hat. Vergangenes Jahr sagten das nur 63 Prozent, 2018 sogar nur 33 Prozent der China-Analysten1.

In Zukunft ist damit zu rechnen, dass Regierungen – nicht zuletzt sensibilisiert durch die Krise – eine nachhaltige Ausrichtung von Unternehmen stärker fördern. Der sogenannte Sustainable-Finance-Beirat der Bundesregierung forderte in einem Bericht Anfang März, dass Deutschland seine staatlichen Mittel viel stärker nach Umwelt- und Nachhaltigkeitsstandards ausrichten soll. Auch neue Berichtspflichten sollten zu einer stärkeren Ökologieorientierung der Privatwirtschaft führen. Unternehmen, die ihre Strategie bereits vor Ausbruch der Pandemie ernsthaft nachhaltiger gestaltet haben, können sich einen Vorsprung erarbeiten und langfristig profitieren.

Nachhaltig krisenfest

Die Krise stellt die Welt auf die Probe – und wird zum Prüfstein für verantwortungsbewusstes Management. Die langfristigen Folgen für die Finanzmärkte lassen sich aktuell zwar noch nicht präzise bewerten oder vorhersagen. Vorläufig stehen die Chancen aber gut, dass Unternehmen mit nachhaltigen Werten und Zielen am Ende besser dastehen als solche ohne ESG-Kompass. Investoren dürfen hoffnungsvoll bleiben. Ein vorausschauender nachhaltiger Ansatz wird sich auch weiterhin rentieren.
1https://www.fidelity.de/artikel/seiten/2020-02-18-analystenumfrage-2020-esg-hat-einen-wendepunkt-erreicht-1582045077210  

Die Krise schneller überwinden: Mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit

Der Fokus auf Nachhaltigkeit und der Einhaltung von ESG-Kriterien wird nach der Krise nicht etwa weniger wichtig, sondern sollte sich im Gegenteil noch verstärken. Lesen Sie die wichtigsten Erkenntnisse in unserem White Paper.

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