Kontakt MyFidelity Logout
Skip Header

Investment-Ausblick 4. Quartal 2019

Angespannt, aber robust

Der Ausblick von Fidelity International auf Weltwirtschaft, Aktien, Anleihen, Multi Asset und Immobilien

Paras Anand, Head of Asset Management Asien-Pazifik bei Fidelity

Anleger, die einen ruhigen Sommer erwartet hatten, wurden enttäuscht. Die zahlreichen Risiken, die die Märkte bisher belasteten, bestanden das dritte Quartal über fort – und einige neue sind dazugekommen. Zum Handelskonflikt zwischen den USA und China, globalen Rezessionssorgen und dem Brexit traten hinzu: die Inversion der US-Zinskurve, die Proteste in Hongkong, ein gestiegener Ölpreis infolge des Angriffs auf saudi-arabische Produktionsanlagen und das Risiko eines gegen den US-Präsidenten gerichteten Amtsenthebungsverfahrens.

Doch auch wenn die Risiken fortbestanden, gab es Lichtblicke. Die Notenbanken haben sowohl in entwickelten als auch in aufstrebenden Ländern ihren Ankündigungen einer lockeren Geldpolitik Taten folgen lassen. Zusammen mit den gesunkenen Anleihenrenditen, die das Wirtschaftswachstum stützen, sowie geplanten Anreizmaßnahmen in China stimmt uns das positiv. Hinzu kommt, dass die Wirtschaftsdaten lediglich auf eine stagnierende und nicht rückläufige Konjunktur hindeuten. Insbesondere zeigt sich der US-Konsum robust, wozu ein Beschäftigungsniveau auf Rekordhöhen beiträgt.

Allerdings ist das Wachstum noch schwach, weshalb Anleger wachsam bleiben sollten. Die Entwicklung der Konsumausgaben ist genau im Blick zu behalten. Sollte sich bei den Verbraucherdaten eine Verschlechterung abzeichnen, könnte der Wirtschaft eine wichtige Stütze genommen werden. Am Anleihenmarkt haben die Zahlungsausfälle bei besonders hoch verschuldeten Emittenten zu steigen begonnen, wenn auch von niedrigem Niveau aus. Dies könnte ein Anzeichen für steigende Anfälligkeit sein.

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Fiskalpolitik. Einiges deutet darauf hin, dass die geldpolitischen Instrumente an ihre Grenzen stoßen, weshalb Forderungen nach fiskalpolitischen Anreizen lauter werden. Wenn die Fiskalpolitik den Hebel ansetzt, könnte dies weitreichende Folgen in allen Anlageklassen und Regionen haben. Dazu könnten auch eine beschleunigte Inflation, eine Abwertung des US-Dollars und ein erneuter Aufschwung in den Schwellenländern gehören. Da nicht nur die Fiskalpolitik, sondern eventuell auch die Geldpolitik dem Einfluss der Regierungen unterliegt, ist es ratsam, politische Entwicklungen im Blick zu behalten. Allerdings ist der Kurs der Notenbanken schwerer vorhersehbar geworden, sowohl was seine Richtung als auch den Effekt angeht. In einem solchen von großer Unsicherheit geprägten Umfeld sollten Anleger ihre Aufmerksamkeit auf einzelne Unternehmen fokussieren.

Vorerst ist die Konjunktur zwar angespannt, aber noch robust. In diesem Umfeld plädieren wir dafür, Portfolios stärker auf Sicherheit auszurichten, doch gleichzeitig in riskanten Anlagen engagiert zu bleiben. Dies bedeutet bei Aktien, Qualität zu bevorzugen, bei Kursrückschlägen an den Märkten den Schutz von US-Staatsanleihen zu suchen und bei Immobilien wählerischer zu sein, was die Mieterstruktur betrifft. Zu Beginn des vierten Quartals steht genug auf der Agenda, um die Finanzmärkte nicht zur Ruhe kommen zu lassen.

 

  • Die Marktrisiken häufen sich: Zu Handelskonflikt, Rezessionssorgen und Brexit kamen zuletzt die Inversion der US-Zinskurve, die Proteste in Hongkong, ein höherer Ölpreis und das Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Trump hinzu.
  • Positiv stimmt uns, dass Notenbanken sowohl in entwickelten als auch in aufstrebenden Ländern ihren Ankündigungen einer lockeren Geldpolitik Taten folgen lassen.
  • Die Wirtschaftsdaten deuten lediglich auf eine stagnierende und nicht rückläufige Konjunktur hin. Anleger sollten jetzt die Entwicklung der Konsumausgaben im Auge behalten.
  • Am Anleihenmarkt steigen langsam die Zahlungsausfälle bei besonders hoch verschuldeten Emittenten. Dies könnte auf eine steigende Krisenanfälligkeit hindeuten.
  • Das Konjunktur- und Marktumfeld spricht dafür, Portfolios in der nächsten Zeit stärker auf Sicherheit auszurichten. 

4. Quartal 2019

Was sich am Markt geändert hat: Deutschland, Euroraum, China

Die makroökonomischen Daten sind nach wie vor uneinheitlich: In den USA gibt es klare Hinweise auf eine Wachstumsverlangsamung und Deutschland befindet sich am Rande einer Rezession. Dem stehen Anzeichen für eine zaghafte Stabilisierung im Euroraum, den Schwellenländern und China gegenüber. Sowohl die international führenden Notenbanken als auch diejenigen in den Schwellenländern lockern derzeit ihre Geldpolitik.

Wichtigste Punkte

  • Noch im Jahr 2018 belastende Faktoren verkehren sich im laufenden Jahr ins Gegenteil. Wir erwarten eine Erholung gegenüber den Tiefständen im vierten Quartal 2018. Allerdings mahnt das nach wie vor gedämpfte Wachstum zu Vorsicht. Wir vertreten nicht die Auffassung, dass global eine Rezession bevorsteht.
  • Die Lockerung der Geldpolitik in den USA verleiht dem Wachstum Schub und auch die Anreizmaßnahmen in China fallen groß genug aus, um Wirkung zu zeigen. In den Schwellenländern senken die Notenbanken derzeit ihre Zinsen, was letztlich auch der Nachfrage nach Anlagen in Europa zugutekommen dürfte.
  • Der Handelsstreit zwischen den USA und China verzögert und beeinträchtigt die Erholung der Weltkonjunktur, hat diese aber bislang nicht aus der Spur gebracht. Die direkten Auswirkungen sind ihrer Größe nach begrenzt und die daraus resultierenden Störungen werden an Kraft verlieren.
  • Wir glauben, dass das Wirtschaftswachstum in den USA nachlässt, während sich die Konjunktur in der übrigen Welt stabilisiert. Bremsend bemerkbar machen sich in den Vereinigten Staaten die auslaufenden Wirkungen der Steuersenkungen, die zu hohe Verschuldung der Unternehmen, das sich eintrübende Geschäftsklima und die fortgeschrittene Phase des Konjunkturzyklus.

Was das für Anleger bedeutet

Auch wenn der Handelskonflikt zwischen den USA und China weiterhin für Unsicherheit sorgt, besteht im Unterschied zum vierten Quartal 2018 Anlass für die Erwartung einer fortschreitenden Erholung und eines anhaltenden Wachstums der Weltwirtschaft. Unsere Indikatoren deuten darauf hin, dass die Anleihenrenditen weltweit von ihren derzeit niedrigen Niveaus steigen sollten und riskante Anlagen moderate Unterstützung erfahren.

Was sich für Aktien geändert hat: Geopolitik, Handelskonflikt, Geldpolitik

Die dominierenden Themen sind weiterhin die gelockerte Geldpolitik der Notenbanken, Sorgen in Bezug auf das Wirtschaftswachstum und Rezessionsängste, die Inversion der US-Zinskurve und der Handelskonflikt zwischen den USA und China. Die Entwicklung der Unternehmensgewinne ist im letzten Quartal etwas in den Hintergrund getreten. Demgegenüber haben geopolitische Einflüsse das Geschehen in den einzelnen Regionen maßgeblich bestimmt.

Wichtigste Punkte

  • Der globale Aktienmarkt hatte in der ersten Quartalshälfte einen schweren Stand, da zahlreiche ungünstige Entwicklungen auf geopolitischer und konjunktureller Ebene die Stimmung dämpften. In der zweiten Hälfte des Quartals hellte sich die Stimmung wieder auf, da es zu positiven politischen Entwicklungen kam und die Notenbanken ihre Geldpolitik tendenziell lockerten.
  • Wiederholte Forderungen nach verstärkten fiskalpolitischen Stützungsmaßnahmen könnten in der Politik auf fruchtbaren Boden fallen. Angesichts nachlassender Wirkung der Geldpolitik und bereits sehr niedriger Anleihenrenditen gewinnt die Argumentation zugunsten fiskalischer Anreize an Überzeugungskraft.

Was das für Aktien-Anleger bedeutet

Trotz einiger positiver Nachrichten im Zusammenhang mit dem Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie einer weltweit gelockerten Geldpolitik bleibt das gesamtwirtschaftliche Umfeld unsicher. Eine solche Situation begünstigt stärker defensive, aus eigener Kraft wachsende Unternehmen. Wenn sich jedoch das Makroumfeld wieder bessert und fiskalpolitische Anreize die Rolle der Geldpolitik übernehmen, könnte es zu einem Trend von defensiven Wachstumstiteln hin zu stärker konjunkturabhängigen Segmenten kommen. Entsprechende Umschichtungen könnten Risiken für die zuletzt sehr stark gefragten defensiven Wachstumstitel bergen.

Was sich für Anleihen geändert hat: Fed, Allzeittiefs in Europa

Die US-Notenbank hat erstmals seit der globalen Finanzkrise ihren Leitzins gesenkt. Dabei hat sie zwei Zinssenkungen um je 25 Basispunkte vorgenommen. Die Zinskurve amerikanischer Staatsanleihen hat sich abgeflacht. Erstmals seit 2007 liegt die 2-jährige Rendite über der 10-jährigen Rendite (Inversion). In Europa fielen die Renditen zahlreicher europäischer Staatsanleihen im August auf Allzeittiefs. Die Europäische Zentralbank kündigte ein neues Programm zur Ausweitung der Geldmenge an, nachdem sie das vorangegangene erst vor neun Monaten beendet hatte.

Wichtigste Punkte

  • Der anhaltende Handelskonflikt und schwache Konjunkturdaten ließen viele Anleger in „sichere Häfen“ wie Staatsanleihen und Gold ausweichen. Darin schlugen sich zunehmende Sorgen um eine bevorstehende Rezession nieder.
  • Das Maßnahmenpaket der Europäischen Zentralbank mit einer Senkung des Einlagenzinses um zehn Basispunkte und Anleihenkäufen im Volumen von 20 Milliarden Euro pro Monat auf unbestimmte Zeit sollte zwar auf mittlere Sicht die durchschnittlichen Schwankungen an den Finanzmärkten reduzieren. Es reicht aber wahrscheinlich nicht aus, um das Ausmaß kurzfristiger Kursschwankungen zu verringern.
  • Im Hinblick auf Großbritannien bleibt der Brexit das dominierende Thema. Darüber hinaus ist die britische Konjunktur in schwacher Verfassung und es gibt gute Gründe für eine Lockerung der Geldpolitik durch die Bank of England.

Was das für Anleihen-Anleger bedeutet

Positiv sehen wir US-Staatsanleihen, da sie bei erhöhter Risikoscheu an den Märkten Schutz vor Kurseinbrüchen bieten sollten. Das hinter den Erwartungen zurückgebliebene Paket der Europäischen Zentralbank zur Lockerung ihrer Geldpolitik dürfte dazu führen, dass sich die Renditeaufschläge von Euro-Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen wieder erhöhen.

Was sich für Multi-Asset-Anlagen geändert hat: Leitzins, US-Aktien 

Im Anschluss an den Kursaufschwung in der ersten Hälfte des Sommers fielen die Kurse von US-Aktien Ende Juli wieder unter ihre Allzeithochs, gerade als die US-Notenbank ihren Leitzins zum ersten Mal seit zehn Jahren senkte. Zwar stiegen die Kurse Anfang August wieder an, jedoch reagierten die Märkte nicht so positiv auf die Zinssenkung um 25 Basispunkte, wie das viele Anleger vorausgesagt hatten.

Wichtigste Punkte

  • Trotz der Zinssenkung durch die US-Notenbank blieb das Marktgeschehen nervös. Die Eskalation des Handelsstreits durch Präsident Donald Trump und der Vorwurf des US-Finanzministeriums an China, seine Währung zu manipulieren, belasteten die Stimmung.
  • Im bisherigen Verlauf des Jahres 2019 haben sich riskante Anlagen zwar sehr gut entwickelt, dennoch bleibt die Nachfrage nach als sicher geltenden Investments robust. Dieser scheinbare Widerspruch beinhaltet eine zweiteilige Botschaft an die Anleger.
  • Wir halten zwei Szenarien für möglich: Entweder stagniert das Wachstum, geht aber nicht zurück, oder es kommt zu einer weiteren Verlangsamung, die sich auf die Konsum- und Servicesektoren überträgt und eine weitere Abwärtskorrektur erzwingt. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt tendieren wir zum ersten Szenario.

Was das für Multi-Asset-Anleger bedeutet

Finanztitel sollten sich im Fall einer unerwarteten Straffung der Geldpolitik überdurchschnittlich entwickeln. Trotz des flachen Verlaufs der Zinskurve – typischerweise ungünstig für Banken – sollte diese Position vor dem Risiko schützen, dass die Notenbanken die Märkte mit Zinserhöhungen überraschen oder die Inflation höher als erwartet ausfällt.

Was sich für Immobilien geändert hat: Konjunktur, Brexit, Inflation

Die Konjunkturperspektiven sowohl Großbritanniens als auch des Euroraums haben sich stärker eingetrübt. So gibt es wachsende Bedenken hinsichtlich der Schwäche des Industriesektors sowie zunehmender externer Risiken wie den globalen Handelsstreitigkeiten und dem Brexit. In Reaktion auf das verlangsamte Wachstum sind auch die Inflationserwartungen nach unten korrigiert worden. Fällt die Inflation auf kurze bis mittlere Sicht niedriger aus, verringert dies das Ausmaß des Ertragswachstums, das Immobilieninvestoren durch die Indexierung der Mieten erzielen können.

Wichtigste Punkte

  • Die Unsicherheit in puncto Brexit hat dazu geführt, dass viele Investoren sich am britischen Immobilienmarkt abwartend verhalten. Allerdings könnten die Anleger angesichts der Schwäche des Pfunds und erwarteter Rückgänge der Immobilienpreise, insbesondere im Einzelhandelssegment, relativ rasch an den Markt zurückkehren, sollte es zu einem moderaten Brexit-Szenario kommen.
  • Der Industriesektor dürfte unabhängig vom herrschenden wirtschaftlichen Szenario schwach bleiben. Daher sollten Immobilienanleger ihren Fokus darauf legen zu verstehen, wie stark ihre Mieter gegenüber dem Industriesegment exponiert sind.
  • Der Markt im Euroraum ist weiterhin von starken Anlegerwettbewerb geprägt, was die Preise hochhält.
  • Robuster laufender Ertrag, Urbanisierung, die Entwicklung der Grundstückswerte und zunehmende Liquidität in mehreren alternativen Marktsegmenten gehören auf kurze Sicht zu den wichtigsten Anlagethemen sowohl in Großbritannien als auch im Euroraum.

Was das für Immobilien-Anleger bedeutet

Immobilien sehen wir im Rahmen eines Multi-Asset-Portfolios weiterhin positiv, wofür attraktive Bewertungen und laufende Erträge sprechen. Allerdings erfordern die jüngste Abschwächung des Wirtschaftswachstums und die gestiegenen geopolitische Risiken einen stärker auf die Spätphase des Konjunkturzyklus ausgerichteten Investmentansatz. Der Schlüssel zum Erfolg besteht darin, wählerisch zu sein und die Mieterstrukturen aktiv zu analysieren, um die laufenden Erträge zu optimieren und auf hohem Niveau zu halten. Gleichzeitig sollte das Engagement in Ländern und Sektoren begrenzt werden, in denen Immobilien in der Vergangenheit während Abwärtsphasen wenig liquide waren.

Wichtige Hinweise

Die dargelegten Meinungen beruhen auf unseren Fundamental-Analysen von Unternehmen, Ländern, Emittenten, Zulieferern, Immobilien und Mietern. Wir nennen auf Basis unserer hauseigenen Prognosen auch die Regionen und Branchen, die unserer Meinung nach bei Wachstum und Renditen die höchste oder geringste Attraktivität aufweisen.

Der Wert einer Vermögensanlage und die Erträge können schwanken, und Anleger erhalten möglicherweise nicht ihr investiertes Kapital zurück. Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind keine zuverlässigen Indikatoren für zukünftige Entwicklungen. Diese Informationen stellen weder ein Angebot, eine Aufforderung zur Inanspruchnahme der Investment-Management-Dienstleistungen von Fidelity, ein Angebot zum Kauf oder Verkauf, noch die Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Anlageprodukten dar. Fidelity gibt keine Zusicherungen, dass die Inhalte für die Nutzung an allen Standorten geeignet sind oder dass die angesprochenen Transaktionen oder Dienstleistungen in allen Jurisdiktionen oder Ländern oder für alle Investoren oder Gegenparteien verfügbar oder zum Verkauf oder zur Nutzung geeignet sind. Die hierin zum Ausdruck gebrachten Sichtweisen beziehen sich auf den Tag der Veröffentlichung und können sich jederzeit ohne Ankündigung ändern bzw. von den aktuellen Einschätzungen bei Fidelity abweichen. Stand: Juli 2019.

MK10593