Der Kauf und Verkauf von Aktien ist oft eine emotionale Angelegenheit. Selbst wer denkt, er handelt vernünftig, lässt sich von Gefühlen leiten, von Vorlieben und dem persönlichen Geschmack. Das Phänomen ist so verbreitet, dass es sogar einen eigenen wissenschaftlichen Forschungszweig hervorgebracht hat. Die sogenannte „Behavioural Finance“ belegt immer wieder, dass selbst erfahrene Anleger irrationale Entscheidungen treffen. 

So können beispielsweise Privatanleger der sogenannten Wissensillusion erliegen und fälschlicherweise annehmen, über besonders gute Informationen und Kenntnisse zu verfügen. Die meisten Menschen halten sich in dem, was sie tun, nämlich für besser als andere - was streng logisch gar nicht möglich ist. Eine ähnlich verbreitete Psycho-Falle: Menschen erleben Verluste wesentlich intensiver als Gewinne. Daher fokussieren sich Anleger oft übermäßig stark darauf, Verluste zu vermeiden. So verpassen sie letztlich Gewinnchancen. 

Anleger tun gut daran, ihren ersten Impulsen zu misstrauen und spontane Ideen zu hinterfragen. Dann kann das Bauchgefühl übrigens durchaus helfen. Denn Intuition gepaart mit strategischem Wissen hilft, bessere Entscheidungen zu treffen. Das zeigen auch diese zehn eisernen Regeln für besser Geldanlage:

1. Nicht alles auf eine Karte setzen

Ob Sparplan oder große Investition: Wer bei der Geldanlage breit streut, verringert Schwankungsrisiken. Denn wenn irgendwo Verluste auftreten, gleichen Gewinne an anderer Stelle diese wieder aus. Tatsächlich lässt sich mathematisch nachweisen, dass eine breite Mischung bei der Geldanlage stets effizienter ist als die Einzelanlage, weil sie das Verhältnis von Risiken und Chancen strukturell verbessert. Der US-Ökonom Harry M. Markowitz bekam für diese Erkenntnis sogar den Wirtschaftsnobelpreis. 

Anleger sollten daraus lernen, ihr Geld auf zwei Ebenen zu streuen: Erstens, indem sie auf verschiedene Anlageklassen setzen. Zweitens, indem sie auch innerhalb der Anlageklassen, also beispielsweise bei Aktien, verschiedene Branchen und Regionen abdecken.

2. An die Zukunft denken

Menschen leben gern im Hier und Jetzt. Wer heute 50 Euro haben kann oder 100 Euro in einem Jahr, wählt oft das schnelle Geld. Auch im Vergleich zur Rentenvorsorge, die erst in Jahren oder gar Jahrzehnten zum Tagen kommt, erscheint vielen der heutige Konsum als attraktiver. Der anhaltende Niedrigzins verstärkt diesen Effekt noch. Doch wer zu spät spart, kann kaum noch aufholen, was er zuvor verpasst hat. Ein Trick zur Überlistung der Kauflust sind Sparpläne, mit denen automatisch regelmäßig Geld in die Vorsorge fließt. So muss man sich nicht jedes Mal neu entscheiden.  

3. Ziele im Blick behalten

Bei der Geldanlage ist es wichtig, die Balance von Rentabilität, Risiko und Liquidität zu behalten. Welche Rendite strebe ich an? Welche Verluste kann ich aushalten? Wie lange kann ich auf das investierte Geld verzichten? Anleger sollten sich all das immer wieder fragen, sich ihre Bedürfnisse und Ziele bewusst machen - und anhand dieses Kompasses regelmäßig prüfen, ob die Marschrichtung für das Portfolio noch stimmt.

4. Verluste begrenzen, Gewinne laufen lassen

Viele Anleger realisieren Gewinne zu schnell. Der Grund: Die Freude über zusätzliche Gewinne ist häufig geringer als der Schmerz, wenn man einen Teil der Gewinne doch wieder abgeben müsste. Liegen Titel im Minus, ist es genau umgekehrt: Weitere Verluste werden eher akzeptiert, der Wunsch, die Verluste wettmachen zu können und nicht realisieren zu müssen, ist größer. Gewinner fliegen folglich tendenziell zu schnell aus dem Depot, Verlierer bleiben zu lange. Bei Kauf- und Verkaufsentscheidungen sollten Anleger stets rational die Aussichten auf Besserung oder weitere Kursanstiege ergründen.

5. Dem Herdentrieb widerstehen

Menschen als soziale Wesen neigen dazu, sich am Verhalten ihrer Artgenossen zu orientieren. Börsenprofi Warren Buffett rät jedoch, gegen den Strom zu schwimmen. er sagt: „You want to be greedy when others are fearful. You want to be fearful when others are greedy.” Anleger sollen also zugreifen, wenn die Mehrheit wie zuletzt beim Corona-Crash massiv Positionen abbaut. Und Gewinne mitnehmen, wenn die Stimmung anderswo hochkocht. 

6. Trends beobachten (lassen)

Häufig bieten sich anbahnende technologische Veränderungen - etwa im Bereich der Telemedizin oder der IT - Investitionsgelegenheiten. Es kommt allerdings ganz darauf an, wie weit fortgeschritten ein Trend ist, wie stark die Börse positive Entwicklungen schon mit starken Kurssteigerungen vorweggenommen hat – und ob es sich um eine nachhaltige Entwicklung handelt oder eine Eintagsfliege. Das zu ergründen, ist eine Aufgabe für Experten. 

7. Selbst recherchieren und Tools nutzen 

Tipps von Freunden sind ja oft gut gemeint. Doch nur wer sich auch selbst informiert, kann die für sich persönlich richtigen Kaufentscheidungen treffen. Bei der Produktauswahl sind digitale Instrumente nützlich: Etwa der Fidelity-Fondsfinder, der Daten von rund 7.000 Fonds enthält. Auch die Liste "Fidelity Select 50" kann helfen, einen ersten Überblick über Anlagemöglichkeiten zu bekommen. Die Liste enthält 50 Fonds, die unsere Anlageexperten analysiert haben und von denen sie überzeugt sind. 

8. Die jüngste Vergangenheit nicht zu weit fortschreiben 

Auch wenn es verführerisch erscheint, einen Trend einfach fortzuschreiben: Die Wertentwicklung eines Fonds in der Vergangenheit sagt nichts darüber aus, ob dieser auch eine gute Zukunftsperspektive hat. Darüber lässt sich erst mit einem Blick auf die Strategie und weitere Kennzahlen urteilen. Auch ein Vergleich mit der aktuellen Wettbewerbssituation kann sinnvoll sein. So erfahren Anleger zudem, mit welchen Schwankungen sie in Zukunft mutmaßlich rechnen müssen. 

9. Mit der Investition nicht auf das große Vermögen warten

Um Geld anzulegen, muss man kein Millionär sein. Jeder, der ein stabiles Grundeinkommen hat, kann und sollte Geld investieren -  selbst wenn es sich nur um kleine Summen handelt. Wer ein einem Sparplan regelmäßig mit den gleichen Beträgen spart, profitiert nebenbei sogar vom sogenannten Durchschnittskosteneffekt: Je niedriger der Kurs eines Fonds am Kauftag ist, desto mehr Anteilsscheine wandern ins Depot. Damit bleibt die Geldanlage quasi automatisch antizyklisch (siehe Tipp 5). 

10.  „Hin und her macht Taschen leer“

Wer sich für ein bestimmtes Produkt oder für mehrere Einzeltitel entscheidet, sollte zumindest eine Weile dabeibleiben. Häufige Käufe und Verkäufe kosten nämlich viel Geld und bescheren vor allem den Händlern ein gutes Einkommen. Obendrein schmälert zu viel Aktionismus nachweislich die langfristige Performance eines Portfolios, auch weil es fast unmöglich ist, den besten Zeitpunkt für Käufe und Verkäufe zu erwischen.

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