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Wie nachhaltig sind chinesische Unternehmen wirklich?

Fidelity

Fidelity - Research team

Nachhaltigkeit und China, das passt für viele nicht so recht zusammen. Bilder schnell hochgezogener Fabriken und smog-vernebelter Städte dominieren nach wie vor in den Köpfen. China mag bei dem rasanten Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahrzehnte wenig Rücksicht auf die Umwelt genommen haben, doch inzwischen findet ein Umdenken statt - nicht zuletzt weil Konsumenten und institutionelle Investoren das einfordern. Nur ein Lippenbekenntnis oder steckt mehr dahinter? 

Nachhaltigkeit hat für viele Anleger massiv an Bedeutung gewonnen. Das bedeutet, sie ziehen jene Firmen vor, die Kriterien wie Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung berücksichtigen. Für die Konzerne selbst zahlt sich das in barer Münze aus. Der Sportartikelhersteller Adidas, dessen Aktie sich in den vergangenen vier Jahren fast vervierfacht hat, macht es vor. „Wir verdienen mit Nachhaltigkeit Geld“, bringt es Firmenchef Kasper Rorsted in einem Zeitungsinterview auf den Punkt.  Die Adidas-Kollektion Parley etwa wurden aus recyceltem Plastik gefertigt und trifft damit genau den Zeitgeist. 
Dass sich mit Nachhaltigkeit Geld verdienen lässt, ist auch für chinesische Unternehmen eines der stärksten Argumente, auf diesen Zug aufzuspringen und bei kritischen Konsumenten zu punkten. „Made in China“ steht jetzt schon nicht mehr für Billigproduktionen, da die Löhne gestiegen sind und die Arbeitsbedingungen insgesamt verbessert wurden.

Große Investoren machen Druck 

Doch wie können Anleger sicher sein, dass Unternehmen, die mit Nachhaltigkeit werben auch tatsächlich ihr Versprechen halten? Schon bei Unternehmen in Europa ist das gar nicht so einfach, da der Begriff „Nachhaltigkeit“ nicht klar definiert ist und die verschiedenen Rankings keinen einheitlichen Kriterien folgen. Je weiter weg ein Unternehmen ist, desto schwieriger ist die Kontrolle: Wegen der räumlichen Distanz, einer anderen Kultur, Sprache und völlig unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen sowie Anforderungen an Transparenz. 
Die gute Nachricht: Inzwischen setzen sich große institutionelle Investoren  für eine nachhaltige Unternehmensführung ein. Anders als Kleinanleger kommen sie nicht nur bei Hauptversammlungen zu Wort, sondern können mehrmals im Jahr mit den Firmenlenkern sprechen. Durch Nachfragen beim Management tragen sie zu einer besseren Kontrolle bei. Das tun sie auch bei Unternehmen in Ländern wie China. Aus zwei Gründen: Zum einen sind in China die Wachstumschancen immer noch insgesamt höher sind als in westlichen Ländern und zum anderen, weil die Kunden der institutionellen Investoren Wert auf Nachhaltigkeit Wert legen. Das heißt: Sie müssen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. In chinesische Unternehmen investieren, die nicht nur lukrativ, sondern auch nachhaltig sind. 

Dabei setzen sich institutionelle Investoren selbst zunehmend strenge Maßstäbe. So verlässt sich beispielsweise der Vermögensverwalter Fidelity nicht auf externe Ratings, die allein die Vergangenheit beurteilen, sondern zieht ein hauseigenes Ranking zur Rate. Dabei berücksichtigen die Experten auch die geplanten Engagements der Unternehmen, fragen bei Firmenlenkern nach, was aus ihren Plänen geworden ist und verkaufen ihre Anteile, wenn das Ergebnis nicht den Erwartungen gerecht wird. Für einzelne Anleger ist also der Kauf von Anteilen an chinesischen Unternehmen über große Vermögensverwalter, die sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben haben,  eine gute Möglichkeit der Kontrolle. 

Bei problematischen Produkten genau hinschauen

Eine weitere Möglichkeit ist, bei bestimmten Produkten und den hierfür notwendigen Rohstoffen genau hinzuschauen. Hierzu gehört sicher Kobalt, ein Rohstoff, der für die Batterien in Smartphones , Laptops und Elektroautos essentiell ist. Also Produkte, die jetzt schon und in Zukunft unsern Alltag prägen. Entsprechend hoch ist die Nachfrage. Chinesischen Unternehmen gehören inzwischen zahlreiche Kobaltminen in der Demokratischen Republik Kongo. Das Problem sind die Sicherheitsvorschriften beim Abbau. Einige Arbeiter, darunter auch Kinder, setzen mitunter ihr Leben aufs Spiel. Hier sind nicht nur die chinesischen Unternehmen gefragt, denen die Minen gehören, sondern auch die westlichen Firmen, die ihnen den Rohstoff abkaufen und nicht zuletzt die Konsumenten, die das Endprodukt kaufen. 

Das Umdenken hat begonnen 

Die Kontrolle von Nachhaltigkeits-Versprechen ist eine komplexe Angelegenheit. China steckt da noch in den Kinderschuhen. Zwar ist das Reich der Mitte auch hier tatkräftig und entwickelt sich schnell, doch im Vergleich zu vielen westlichen Ländern fehlen strenge regulatorische Vorschriften. Die Unternehmen versuchen daher mit eigenen Berichten ihr Image bei Investoren zu verbessern. Wenn auch längst nicht alle. So gibt es noch viele chinesische Firmen, denen Nachhaltigkeit völlig fremd ist. Darunter sind häufig Firmen, die von Unternehmern der ersten Generation gegründet wurden als China sich öffnete. Andere wiederum arbeiten bereits nachhaltig, bekommen aber trotzdem schwächere Ratings, weil sie diese Informationen nicht kommunizieren.

Neben der Aussicht auf mehr Gewinn spricht noch etwas dafür, dass immer mehr chinesische Unternehmen es  ernst meinen mit der Nachhaltigkeit: Sie ist vom Staat gewollt. Im landesweiten „Kampf gegen Umweltverschmutzung“ etwa fördert China den verstärkten Einsatz von erneuerbaren Energien und Erdgas. In Großstädten hat die Regierung die Fahrzeugnutzung eingeschränkt, baut in der Schwerindustrie Überkapazitäten ab und hat sogar Tausende die Luft verpestende Fabriken stillgelegt. Das Umdenken in China hat begonnen. 

Quellen: