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Was Sie noch nicht über ETFs wussten

Fidelity

Fidelity - Research team

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Exchange-traded funds, kurz ETFs, sollen das Geldanlegen einfach und günstig machen. Doch trifft das überhaupt pauschal zu? Wir gehen vier Mythen über die börsengehandelten Fonds auf den Grund – und erklären, was ihre wahren Stärken sind.

Mythos 1: ETFs sind günstiger als aktiv verwaltete Fonds.

Der Preis ist ein entscheidendes Kaufkriterium, ob es nun um Lebensmittel, Kleidung oder Fonds geht. Tatsächlich können ETFs hier auf den ersten lick trumpfen: Die meisten ETFs sind passiv verwaltete Indexfonds, deren laufenden Kosten in der Regel unter einem Prozent der Anlagesumme und in manchen Fällen sogar bei null liegen. Aktiv verwaltete Fonds kosten hingegen meist zwischen ein und zwei Prozent. Hinzu kommen bei beiden Fondsarten noch andere Kosten – beim aktiven Fonds etwa der einmalige Ausgabeaufschlag, beim börsengehandelten Fonds die Umsatzkommission und die ATC-Spesen.

Die Kosten von ETFs sind nicht nur deshalb so niedrig, weil kein Aufwand für die Selektion einzelner Wertpapiere entsteht. Solche Fonds verleihen häufig auch ihre Aktien an andere Marktteilnehmer. Ihre Betriebskosten finanzieren sie teilweise über die Einnahmen aus dieser Wertpapierleihe. Zwar müssen die Leihenden Sicherheiten hinterlegen – für den Fall, dass sie am Ende der Frist nicht in der Lage sind, die Wertpapiere zurückzugeben. Dennoch entsteht für ETF-Anleger ein gewisses Risiko. Anleger sollten sich über diese spezifischen Risiken von ETFs bewusst sein.

Für den Anleger sollte letztendlich weniger der Preis allein zählen als das Zusammenspiel von Kosten, Rendite und Risiko. Erzielt ein Fonds besonders hohe Kursgewinne, sind höhere Kosten gerechtfertigt, da unter dem Strich mehr für Anleger übrigbleibt. Indexfonds erzielen per Definition eine Rendite, die der Indexentwicklung entspricht, nicht mehr und nicht weniger. ETFs sind also in der Regel billiger als aktiv verwaltete Fonds, aber nicht immer günstiger: Ein wirklich guter Fondsmanager kann Indizes auch über Jahre schlagen.

Mythos 2: Wer sich nicht zutraut, einen guten Fondsmanager auszusuchen, sollte in passiv verwaltete Indexfonds investieren.

Passive Fonds – das mag für manchen so klingen, als würden hier einmal Rahmenbedingungen festgelegt, bevor sich der Fonds fortan praktisch von selbst verwaltet. Tatsächlich aber haben auch passive Fonds in der Regel einen Fondsmanager. Er kümmert sich zum Beispiel darum, dass die Anlegergelder effizient investiert werden, und er muss dafür sorgen, dass der Indexfonds tatsächlich die gleiche Rendite bietet wie der zugrundeliegende Index.

Nicht jeder Manager eines Indexfonds schafft das. Es gibt sogar eine spezielle Kennzahl, die zeigt, ob er gute Arbeit leistet: Der Tracking-Error misst, wie gut der Fondsmanager die Entwicklung des Index abbildet. Bei einem passiven ist die Qualität des Managers also ebenso wichtig wie bei einem aktiv verwalteten Fonds.

Mythos 3: Für unerfahrene Anleger sind ETFs besser als aktiv verwaltete Fonds.

Mit ETFs weiß man immer genau, in was man investiert, so die landläufige Meinung: Kauft man etwa Anteile an einem börsengehandelten Indexfonds auf den deutschen Leitindex DAX, ist man automatisch Anteilseigner der 30 größten börsengehandelten Firmen Deutschlands. Bei manchen ETFs ist es tatsächlich so einfach – aber lange nicht bei allen.

Eine Klarstellung vorweg: ETFs sind Fonds, deren Anteile über die Börse gehandelt werden, so wie einzelne Aktien. ETFs sind in den meisten Fällen passiv verwaltete Indexfonds, es gibt jedoch auch einige aktive Fonds, die (unter anderem) an der Börse gehandelt werden können. Da die Begriffe „ETF“ und „passive Indexfonds“ im typischen Sprachgebrauch fast synonym verwendet werden, reden wir auch hier von passiv verwalteten Indexfonds, wenn wir von ETFs sprechen.

Zurück zur Frage: Sind sie wirklich besser geeignet für unerfahrene Anleger? Es gibt zwei Varianten von Indexfonds, physisch und synthetisch replizierende. Das oben genannte Beispiel über einen Indexfonds auf den DAX 30 beschreibt einen physisch replizierenden Fonds. Die Anlegergelder werden dabei tatsächlich in (physische) Aktien der Indexmitglieder investiert. Bei der synthetischen Replikation lässt sich der Fondsanbieter vertraglich – mit sogenannten Derivaten – zusichern, dass die Wertentwicklung seines Portfolios der des gewählten Index entsprechen wird. Die Anlegergelder können dabei in Wertpapiere investiert sein, die gar nicht zum gewählten Index gehören. Letztere Methode ist zwar oft günstiger, aber weniger transparent.

Der DAX 30 ist ein sehr kleiner Index. Der STOXX Europe 600 zum Beispiel enthält, wie der Name schon sagt, 600 europäische Unternehmen. Manche Anleiheindizes sind noch umfangreicher. Da jede Transaktion Geld kostet (und die Rendite für Anleger belastet) macht es keinen Sinn für ETFs, jedes einzelne Wertpapier aus solchen Indizes zu kaufen. Stattdessen betreiben sie ein sogenanntes Sampling: Sie investieren nur in eine Auswahl der Indexmitglieder und hoffen so, dennoch die Indexentwicklung insgesamt abzubilden. Sampling senkt die Kosten eines Fonds, kann aber dazu führen, dass sich der ETF und der zugrundeliegende Index nicht völlig gleich entwickeln. Das kann übrigens ein Grund für einen höheren Tracking-Error sein.

Die vielen Varianten von ETFs zeigen also, dass Anleger auch bei passiven Fonds nicht umhinkommen, sich aktiv mit ihrer Geldanlage auseinanderzusetzen. Dass passive Fonds pauschal einfacher zu handhaben sind als aktiv verwaltete Fonds, trifft also nicht zu.

Mythos 4a: Indexfonds sind besser als aktive Fonds. Mythos 4b: Aktiv verwaltete Fonds sind besser als Indexfonds.

Während die Beliebtheit von ETFs in den vergangenen Jahren wuchs, bildeten sich zwei Lager: die Fans und die Skeptiker. Schnell entstand der Eindruck, dass es eine richtige und eine falsche Strategie gibt. Tatsächlich haben aktive und passive Investments jedoch beide ihre Daseinsberechtigung.

Herrscht eine euphorische Stimmung an den Märkten, werden fast alle Werte mitgerissen. Manager aktiver Fonds haben da nur wenig Gelegenheit, den Markt zu schlagen. Schlägt die Stimmung um, trennt sich die Spreu vom Weizen. ETFs und Indexfonds machen den Abschwung in vollem Umfang mit, während ein guter aktiver Manager schwache Unternehmen, die in einer Krise besonders schnell im Wert einbrechen, gar nicht erst in sein Portfolio aufgenommen hat.

Auch für Anleger, die Wert auf ein nachhaltiges Investment legen, spielt die Entscheidung zwischen aktiv und passiv eine Rolle. Passive Nachhaltigkeitsfonds bilden einen Index ab, der zum Beispiel aus Unternehmen mit einer guten CO2-Bilanz besteht. Manager aktiver Nachhaltigkeitsfonds treten zudem teils mit Unternehmen in einen Dialog, um der Stimme von Anlegern Gehör zu verschaffen und Besserung in Bereichen wie Umweltfreundlichkeit und sozialer Verantwortung zu fordern.

Passiv oder aktiv? Welche Strategie die bessere ist, hängt von vielen Faktoren ab, etwa vom Anlageziel oder der aktuellen Marktphase. Die Entscheidung ist in jedem Fall eine aktive.