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So unterscheiden sich aktive und passive Investments in verschiedenen Marktphasen

Bill McQuaker

Bill McQuaker - Portfolio Manager, Fidelity Multi Asset

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Boomt die Wirtschaft, bieten passive Investment-Strategien wie ETFs besonders gute Chancen. Zeichnet sich an den Märkten hingegen eine Krise ab, können aktive Fondsmanager mit ihrer Erfahrung glänzen. Die Frage ist also nicht, welche der Strategien besser ist, sondern wie sie ideal zusammenwirken können.

Bei aktiven Investments verbringen Manager viel Zeit damit, Unmengen von Anlagechancen zu sichten. Sie sind auf der Suche nach Papieren, deren Wert andere Anleger bisher verkannt haben. Denn so können sie den Kursaufschwung voll auskosten, wenn auch andere den Wert des Papiers erkennen und selbst einsteigen. Passive Investments hingegen beruhen auf der Idee, dass es am effizientesten ist, auf einen Index zu setzen, anstatt Papiere mühsam einzeln auszuwählen.

Da sie so widersprüchlich scheinen, werden diese beiden Ansätze oft in einem Aktiv-gegen-Passiv-Tauziehen gegeneinander ausgespielt. In Wirklichkeit aber ergänzen sie sich. Im Laufe eines Wirtschaftszyklus verändern sich die wirtschaftlichen, politischen und regulatorischen Bedingungen ständig. Dementsprechend können in unterschiedlichen Phasen auch ganz unterschiedliche Strategien punkten.

Was bedeutet das für die typischen Marktphasen?

Die Erholungsphase

Der Konjunkturzyklus beginnt, wenn aus den Trümmern eines Abschwungs oder einer Rezession die ersten zarten Pflänzchen sprießen. Das Wachstum zieht an und die Zentralbanken lockern ihre Zügel. Das verleiht der Erholung weiteren Schwung. Verbraucher und Unternehmen leihen Geld, konsumieren und investieren mehr, und die Wirtschaft wächst.

Diese optimistischen Tage am Anfang des Zyklus werden oft von einer heftigen Marktrally begleitet, da Anleger wieder in den Markt einsteigen. Risikoanlagen wie Hochzinsanleihen und Aktien werden beliebter, während sich konsumbezogene Themen sowie die Branchen IT, Industrie und Finanzen tendenziell gut entwickeln.

An diesem Punkt kann eine passive Anlagestrategie auf einen Index ansehnliche Renditen erzielen, da die positive Anlegerstimmung alle Werte nach oben treibt. Wenn sich die Stimmung dreht, werden jedoch die Aktienkurse mancher Unternehmen stärker abgestraft als andere. Das macht dann die frühe Erholungsphase auch für aktive Manager zu einem fruchtbaren Boden.

Wirtschaftswachstum in der Mitte

Im Anschluss an die Erholungsphase beschleunigt sich das Wirtschaftswachstum. Dabei legen Beschäftigung, Produktivität, Nachfrage und Konsum weiter zu und die Preise werden weiter nach oben getrieben. Die Märkte folgen dieser Dynamik tendenziell.

Durch den weit verbreiteten Optimismus in der Wirtschaft korrelieren die verschiedenen Anlageklassen in der Regel sehr stark miteinander, die Volatilität ist niedrig. Das sind Bedingungen, unter denen in der Vergangenheit passive Strategien überdurchschnittlich gut abgeschnitten haben. Wenn eine kostengünstige passive Strategie eine attraktive und konsistente Wertentwicklung bietet, lohnen sich teurere Anlagekonzepte weniger.

Ein Paradebeispiel hierfür ist die jüngste langanhaltende mittlere Phase des Zyklus bis 2017. In einem Umfeld mit extrem niedriger Volatilität hatten aktive Manager nur wenige Gelegenheiten, den Markt zu schlagen. Unterdessen haben passive Fonds stark an Beliebtheit gewonnen: Das globale ETF-Segment wuchs 2017 um über 36 Prozent auf knapp 5 Bio. USD1.

Abgesehen davon können gewisse aktive Investment-Strategien auch in dynamisch wachsenden Märkten Fuß fassen. Fondsmanager mit wachstumsorientierten Strategien konzentrieren sich auf Unternehmen, die solide und messbare Konzepte haben, um sowohl die florierende Konjunktur gewinnbringend zu nutzen als auch jeglicher künftiger Verschlechterung des Wirtschaftsklimas zu trotzen. Ertrags- und Dividendenstrategien können insbesondere in einem Umfeld mit niedrigen Zinsen gut funktionieren. Die Mischung von mehreren Anlagestilen ist jedoch die sinnvollste Taktik, stabile Renditen zu erzielen.

Aktive Investment-Strategien spielen auch eine zentrale Rolle bei der Konstruktion eines wirklich diversifizierten Portfolios (ein Faktor, der auf alle Marktphasen zutrifft). Denn weniger etablierte Anlageklassen wie Hochzinsanleihen, Schwellenländeranleihen oder inflationsindexierte Anleihen sind über passive Instrumente häufig nur schwer zugänglich. Anleihen-Indexfonds zum Beispiel werden häufig anhand des Marktwertes der im Umlauf befindlichen Anleihen gewichtet. So kann es passieren, dass die höchstverschuldeten Emittenten am stärksten gewichtet werden.

Der Anfang vom Ende

Die guten Zeiten müssen irgendwann zu Ende gehen, und die Zyklusmitte wird zum Spätzyklus. Dass der Wendepunkt eingetreten ist, wird häufig erst hinterher deutlich. Er überschneidet sich oft damit, dass die Zentralbanken die Zinsen anheben, um der heiß laufenden Inflation einen Riegel vorzuschieben. Angesichts teurerer Kredite kürzen Verbraucher und Unternehmen ihre Ausgaben und das Vertrauen gerät ins Wanken. Irgendwann verlangsamt sich auch das Wachstum. Die Wirtschaft schleppt sich entweder eine Weile weiter oder fällt in eine ausgereifte Rezession.

In diesem Umfeld können die Märkte rapide einbrechen. Die Volatilität steigt und die Korrelationen der Vermögenswerte verändern sich. Scheinbar diversifizierte Portfolios können jetzt höhere Korrelationen aufweisen. Die Risikoscheu nimmt zu, während typischerweise weniger volatile Aktien aus defensiven Branchen wie Gesundheit, Grundbedarfsgüter und Versorger sowie Staatsanleihen allmählich wie sichere Häfen erscheinen.

Während passive Indexstrategien an steigenden Märkten vollumfänglich teilhaben (abzüglich Gebühren), bekommen sie auch die kompletten Konsequenzen zu spüren, wenn sich die Märkte drehen. In diesem Umfeld, in dem eine reine Marktausrichtung bedenklich ist und Anleger ihren Fokus auf den Kapitalerhalt verlagern, stellen aktive Manager ihren Wert unter Beweis.

Ein guter Manager kann während eines Abschwungs einen bedeutenden Unterschied machen. Willkürliche Ausverkäufe an den Märkten sind von Natur aus ineffizient und ermöglichen kompetenten Anlegern, Chancen zu nutzen. Qualitätsorientierte Strategien können besonders vorteilhaft sein, da Unternehmen mit soliden Grundlagen in Form von konsistenten und vorhersehbaren Gewinnen, einer guten Geschäftsführung und gesunden Bilanzen zunehmend attraktiv werden.

Passive Anlagen haben allerdings auch ihre Berechtigung, insbesondere bei der taktischen Asset-Allocation. Wenn ein Anleger ein breites, diversifiziertes Portfolio um eine kurzfristige Ausrichtung auf eine bestimmte Branche oder ein bestimmtes Thema erweitern will, ist es oft kostengünstiger, das über Index-Tracker zu tun.

In welcher Marktphase befinden wir uns jetzt?

Jeder Marktzyklus hat seine Eigenheiten. Die Dauer der einzelnen Phasen und deren Triebkräfte können sich von Zyklus zu Zyklus unterscheiden. Seit den guten Tagen, die von 2017 bis zum Juni 2018 andauerten, hat sich einiges geändert. Die entwickelten Märkte senden spätzyklische Signale. Die Wachstumsdynamik lässt nach, die Marktvolatilität ist von ihren Rekordtiefständen wieder gestiegen und die Korrelationen zwischen den einzelnen Vermögenswerten haben nachgelassen.

Eine Rezession scheint auf kurze Sicht unwahrscheinlich. Bei der Portfoliokonstruktion ist jedoch etwas mehr Zurückhaltung geboten, um die Renditen zu stabilisieren und Kapital vor Turbulenzen zu schützen. Es ist wahrscheinlich eine gute Zeit für Strategien, die sich vom breiteren Markttrend lösen. Passive Strategien alleine sind daher nicht besonders hilfreich, um Risiken zu verringern.

Wie immer ist Diversifikation bei der Konstruktion eines robusten Portfolios maßgeblich. Derzeit kann es zudem sinnvoll sein, Risiken zu reduzieren und auf hochwertige Papiere und weniger konjunktursensible Anlageklassen und Branchen zu setzen.

Autoren:

Bill McQuaker (Portfolio Manager) und Eugene Philalithis (Portfolio Manager)
 

Quelle:

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1 https://www.etfstrategy.co.uk/global-etf-industry-grows-assets-by-a-third-in-2017-98547/