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Öl bricht ein: Warum die Märkte weiche Knie bekommen

Carsten Roemheld

Carsten Roemheld - Kapitalmarktstratege

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Der Ölpreis hat dem doppelten Druck aus Corona-Krise und OPEC-Streit nachgegeben und seinen größten absoluten Tagesverlust in der Geschichte verzeichnet. Prozentual war es der größte seit der Golfkrise 1991. Das könnte bald die Inflation und sogar ganze Volkswirtschaften belasten.

Wie kam es zum Einbruch der Ölpreise?

Das Treffen der Allianz OPEC+ in Wien endete am Freitag im Streit. Russland war nicht zu weiteren Produktionskürzungen bereit, weshalb Saudi-Arabien am Sonntag ankündigte, den Markt mit Öl zu fluten. Das Königreich will seine Ölproduktion erhöhen und den offiziellen Verkaufspreis für Käufer in Asien, den USA und Europa senken. Saudi-Arabien hat dadurch effektiv einen Preiskrieg erklärt, um Russland zurück an den Verhandlungstisch zu holen.

Gleichzeitig breitet sich das Coronavirus in Europa, Nahost und Nordamerika immer weiter aus. Die Einrichtung regionaler Sperrzonen sowie Absagen und Stornierungen verschiedenster Art unterbrechen Reisepläne und Lieferketten. Das belastet die weltweite Nachfrage nach Öl - zusätzlich zur ohnehin schwächeren Nachfrage aus China.

Was billiges Öl für die Märkte bedeutet

Ein niedriger Ölpreis klingt wie ein Segen für viele Unternehmen, da ihre Kosten dadurch fallen. Doch der Schaden, den dieser gerade in der US-Wirtschaft anrichten kann, dürfte schwerer wiegen.

Ein dauerhaft niedriger Ölpreis birgt große Risiken für amerikanische Energieunternehmen. Die Schieferölindustrie ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen und hat die USA von einem Ölimporteur zu einem -Exporteur gemacht. Der Energiesektor hat am amerikanischen Markt für die relativ riskanten High-Yield-Anleihen heute ein Gewicht von 14 Prozent. Eine Pleitewelle würde die Kreditmärkte daher in große Schwierigkeiten bringen.

Der Renditeverfall bei zehnjährigen US-Treasuries auf weniger als 0,5 Prozent ist symptomatisch für die Reaktion der Anleihemärkte. Die starke Konvergenz der Renditen in den USA und Europa sowie der recht schwache US-Dollar lassen vermuten, dass die US-Notenbank Fed bei ihrer nächsten Sitzung am 18. März weitere drastische Maßnahmen einleiten dürfte.

Auch andere Regionen, die stark vom Öl- und Gasexport abhängen, sind gefährdet. Nicht nur Iran und Venezuela geraten bei einem Ölpreis von 30 Dollar in große finanzielle Not. Auch der Haushalt von Saudi-Arabien und Russland geht dann nicht mehr auf. Unseren internen Berechnungen nach basiert deren Haushaltsplanung auf einem Ölpreis von 50 Dollar. Lediglich für den Netto-Ölimporteur China könnte der Preisverfall Vorteile haben.

Zentralbanken bleibt kaum noch Spielraum

Von den Kreditmärkten ausgehend breiten sich die Sorgen über die gesamten Kapitalmärkte aus. Die Inflation sinkt dadurch weiter und macht es den Zentralbanken noch schwerer, auf eine Krise zu reagieren. Helikoptergeld, also die Auszahlung von frisch gedrucktem Geld an Staaten oder Bürger, kommt damit vielleicht auch im Westen näher, um Konsum und Inflation anzuheizen. Weitere fiskalische Maßnahmen werden sicherlich folgen.

Der Einbruch der Ölpreise ist somit der erste Dominostein, der in den kommenden Wochen noch weitere zum Fallen bringen könnte. Ob eine Einigung der OPEC-Mitglieder, fiskalische oder geldpolitische Maßnahmen dem Kursrutsch Einhalt gebieten können, muss sich erst noch zeigen. Inzwischen ist jedenfalls klar: Das Coronavirus wird die Märkte noch eine ganze Weile verunsichern.