Seit Impfstoffe gegen das neuartige Coronavirus verfügbar sind, rotieren Investoren ihre Aktienpositionen kräftig durch. Nach den Krisengewinnern der ersten Welle könnten bald zyklische Substanzwerte haussieren.

Was sagt der Kursverlauf einer Aktie über ihre weitere Entwicklung aus? So gut wie nichts. Schließlich sollten der Theorie nach in einem Aktienkurs bereits alle Informationen verarbeitet sein, die zu diesem Zeitpunkt bekannt waren. Noch unbekannte Tatsachen können dagegen nicht in Kurse eingeflossen sein, wie auch? Der Blick zurück verrät also nichts über die Zukunft. Es bedeutet nichts, dass eine Aktie oder ein Teilmarkt in den vergangenen Monaten „gut gelaufen“ ist. 

Und doch wagen wir immer wieder Prognosen, die von dem ausgehen, was sich an den Kapitalmärkten zuletzt getan hat. Hier zeigt sich der Unterschied zwischen Theorie und Praxis: Nicht alles, was in der Zukunft liegt, ist nämlich tatsächlich unbekannt. Einiges ahnen wie vielleicht nur. Vieles ist indes vorhersehbar. Und manches hat bei näherer Betrachtung längst begonnen. 

Die große Umschichtung 

Das gilt zum Beispiel für die Sektorrotation, die gegenwärtig an den Märkten zu beobachten ist. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sich gerade jene Branchen gut entwickeln, die zuletzt besonders stark unter den Folgen der Pandemie und ihrer Bekämpfung gelitten hatten. Im Gegenzug könnten Investoren bei jenen Titeln Gewinne mitnehmen, die zu den Krisengewinnern zählten, weil ihre Geschäftsmodelle auch im Lockdown sehr gefragt waren, so dass sie prosperierten.

2020 waren beispielsweise Technologie-, Pharma- und digitale Konsumgüterunternehmen deutlich beliebter als Ausrüstungs-, Versorgungs- und Dienstleistungsanbieter. In den kommenden Monaten werden sich Investoren aber wieder verstärkt Substanzwerten und zyklischen Aktien zuwenden.

Europa hängt die Staaten ab

Ich gehe heute davon aus, dass das Phänomen der Sektorrotation zu einem der bestimmenden Themen des Jahres 2021 wird. Mehr noch: Sie hat bereits begonnen. Das zeigt ein Rückblick auf den November. Da stiegen die Aktienkurse weltweit deutlich an. Der S&P 500, der die Kursentwicklung der 500 größten börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen nachzeichnet, kletterte im Monatsverlauf um 9,8 Prozent. Sein europäisches Pendant, der STOXX 600 als Index der 600 größten europäischen Unternehmen, konnte im selben Zeitraum 14,8 Prozent hinzugewinnen.

Hauptursache für diese Rally dürfen die ermutigenden Meldungen aus der Impfstoffforschung gewesen sein, verbunden mit der Hoffnung darauf, dass die Pandemie bald besser beherrschbar oder sogar überwunden sein könnte. Bemerkenswert ist dabei die deutlich stärkere Kursreaktion in Europa gegenüber den USA. Eine plausible Erklärung dafür: Die technologiedominierten US-Börsen hatten zuvor weniger stark unter den Lockdowns gelitten, während Sektoren, die in den europäischen Indizes dominieren, vom Ende der Pandemie stärker profitieren könnten. So zogen beispielsweise die Kurse von Fluggesellschaften, Energie-, und Ölkonzernen sowie Banken besonders stark an. Selbst unter den Technologiewerten erholten sich zyklischere Anbieter wie Halbleiter- oder Komponentenfertiger stärker als jene typischen Krisengewinner aus dem Frühjahr 2020.

Ertragskraft entscheidet wieder 

Wie geht diese Rotation im Jahr 2021 weiter? Welche Sektoren wird sie erfassen? Wer hat am Ende unter taktischen Gesichtspunkten die Nase vorn? Mit diesen Fragen setzt entweder pure Spekulation ein – oder fundierte Analyse. Diese führt uns bei Fidelity zu einigen Annahmen, die den Fortgang der Sektorrotation entscheidend beeinflussen werden. Dazu gehören diese drei Erkenntnisse:

  • Die Unternehmenserträge werden sich im Jahr 2021 erholen. Das geschieht in verschiedenen Branchen und Regionen zwar in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Es ist aber ein breiter Erholungstrend zu erwarten, die die Zykliker besonders befeuern dürfte.
  • Auf Dauer schlagen sich fundamentale Faktoren wie Ertragsstärke und Gewinnerwartungen in Kursen und Dividenden nieder. Die expansive Geld- und Fiskalpolitik hat diesen Mechanismus zeitweise beschädigt, wird ihn aber nicht dauerhaft außer Kraft setzen. In diesem Zusammenhang könnte es im Rahmen der Umschichtungen auch zu Gewinnmitnahmen bei besonders erfolgreichen Positionen in den Portfolios kommen.
  • Nachdem die Krise bewältigt sein wird, wirken strukturelle Veränderungen fort, etwa beim Konsumverhalten oder bei der beschleunigten Digitalisierung vieler Lebens- und Arbeitsbereiche. Zugleich bleiben Probleme wie im Bankenbereich und im Ölsektor bestehen. 

Wenn all das zutrifft, dann wird es mit der Sektorrotation nicht zu einer vollständigen Umschichtung in Richtung Substanzwerte kommen – dazu haben allein schon Banken und Energieunternehmen als traditionelle Vertreter dieser Kategorie viel zu viele Herausforderungen vor der Brust. Investoren werden sich aber bei der Titelauswahl längerfristig wieder stärker auf eine aktive Auswahl stützen, ausgehend von der Qualität von Geschäftsmodellen, der Belastbarkeit von Bilanzen und der Nachhaltigkeit von Erträgen. Anders gesagt: Sie werden sich weniger für das interessieren, was war – und mehr für das, was kommt. 

Die Welt dreht sich also auch 2021 weiter, während die Investmentwelt rotiert. Das ist zum Jahreswechsel eine gute Botschaft.
 

Wichtige Informationen
Bei diesem Dokument handelt es sich um eine Marketing-Information. Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind keine Garantie für zukünftige Erträge. Der Wert der Anteile kann schwanken und wird nicht garantiert. Fremdwährungsanlagen sind Wechselkursschwankungen unterworfen. Fidelity veröffentlicht ausschließlich produktbezogene Informationen und erteilt keine Anlageempfehlungen. Alle geäußerten Meinungen sind, falls keine anderen Quellen genannt werden, die von Fidelity International. Eine Anlageentscheidung sollte in jedem Fall auf Grundlage der wesentlichen Anlegerinformationen und des veröffentlichten Verkaufsprospektes, des letzten Geschäftsberichtes und - sofern nachfolgend veröffentlicht - des jüngsten Halbjahresberichtes getroffen werden. Diese Unterlagen sind die allein verbindliche Grundlage des Kaufes. Professionelle Anleger und Vertriebspartner erhalten diese Unterlagen in Deutschland kostenlos über FIL Investment Services GmbH, Postfach 20 02 37, 60606 Frankfurt am Main oder über www.fidelity.de. Privatanleger können die zuvor genannten Unterlagen kostenlos bei der jeweiligen Fondsgesellschaft oder bei der FIL Fondsbank GmbH, Postfach 11 06 63, 60041 Frankfurt am Main, oder über https://direct.fidelity.de/ anfordern. Anleger im Bereich Betriebliche Vorsorge können die genannten Unterlagen bei FIL Finance Services GmbH, Postfach 200237, 60606 Frankfurt/Main oder über www.fidelity.de anfordern. Im Text genannte Unternehmen dienen nur der Illustration und sind nicht als Kaufs- oder Verkaufsempfehlung zu verstehen. Fidelity, Fidelity International, das Fidelity International Logo und das F-Symbol sind Markenzeichen von FIL Limited. Sollten Sie in Zukunft keine weiteren Marketingunterlagen von uns erhalten wollen, bitten wir Sie um Ihre schriftliche Mitteilung an den Herausgeber dieser Unterlage.
Herausgeber für professionelle Anleger und Vertriebspartner: FIL Investment Services GmbH, Kastanienhöhe 1, 61476 Kronberg im Taunus; Herausgeber für institutionelle Anleger: FIL (Luxembourg) S.A., 2a, rue Albert Borschette BP 2174 L-1021 Luxembourg. Zweigniederlassung Deutschland: FIL (Luxembourg) S.A. - Germany Branch, Kastanienhöhe 1, 61476 Kronberg im Taunus; für den Bereich Betriebliche Vorsorge: FIL Finance Services GmbH, Kastanienhöhe 1, 61476 Kronberg im Taunus; für Privatkunden: FIL Fondsbank GmbH, Kastanienhöhe 1, 61476 Kronberg im Taunus. Stand, soweit nicht anders angegeben: Dezember 2020.
MK11916

Bidens 3-Billionen-Dollar-Sieg

Nach dem Doppelsieg der Demokraten bei den Senatswahlen in Georgia erwartet...


Carsten Roemheld

Carsten Roemheld

Kapitalmarktstratege Fidelity International

5 Anlegerfallen, die Sie umgehen können

Wer die Tücken der Geldanlage kennt, kann sie ganz leicht umschiffen. Wie A...


Lutz Rodenberg

Lutz Rodenberg

Marketing

Streuen, selbst wenn es wehtut.

Traditionelle Anleihen fallen für die Diversifikation eines Portfolios imme...


Carsten Roemheld

Carsten Roemheld

Kapitalmarktstratege Fidelity International