Benjamin Franklin mahnte schon 1748 aufmerksame Leser seiner "Ratschläge für junge Kaufleute": Zeit ist Geld. Franklin, der immerhin als einer der Gründervater der USA gilt, meinte damit, dass Zeit einen genau so hohen Stellenwert hat wie Geld - und deshalb genauso sinnvoll genutzt werden sollte. Tatsächlich hängen Zeit und Geld aber noch enger zusammen als Franklin damals ahnte. Denn der Faktor Zeit spielt eine entscheidende Rolle für den Erfolg von Anlageentscheidungen. Genauer gesagt: Die Zeit bestimmt das Risiko einer Geldanlage. Und zwar gleich aus zwei Gründen: Erstens haben Kurs- und Währungsrisiken, Länder- oder Branchenrisiken, die sich in Wertschwankungen bemerkbar machen, auf kurze Sicht einen viel größeren Einfluss auf die Anlageerfolg denn auf lange Sicht, wo sich Kurse stets dem Durchschnitt annähern. Zweitens spielt die Zeit Anlegern in die Karten - denn wer lange spart, kann Zinseszinseffekte nutzen. 

Noch bevor Anleger den ersten Cent investieren, sollten sie deshalb ihren Anlagehorizont festlegen. Damit ist der Zeitraum gemeint, in dem sie investiert bleiben wollen. Als Faustregel gilt dabei: Je länger man dabeibleiben kann, desto niedriger wird das Verlustrisiko. Aktien etwa sind in der Vergangenheit auf Sicht von mehreren Jahren und Jahrzehnten stets im Wert gestiegen - während die Kurse kurzfristig starken Schwankungen unterliegen. Um langfristig Gewinne zu erzielen, sollten Anleger den Titeln also die Treue halten.

Ein Beispiel: Im März dieses Jahres waren die Kurse der allermeisten Titel aufgrund der Coronakrise stark eingebrochen. Das bedeutet aber keineswegs, dass es sich nun bei jedem dieser Titel um ein schlechtes Investment gehandelt hätte. Im Gegenteil: Viele Papiere, darunter etwa Telekommunikations- und Pharmaunternehmen, haben mittlerweile sogar höhere Kurssteigerungen erzielen können als vor dem Ausbruch der Pandemie. Anleger, die während der Krise die Ruhe bewahrt und ihre Aktien behalten haben, konnten inzwischen von dem Kursaufschwung profitieren.

Mehr Zeit, mehr Geld

Mit mehr Zeit fällte es also leichter, Renditeziele zu erreichen. Dabei hilft ein weiterer Effekt: Je länger die Anlagedauer, desto stärker der Zinseffekt. Der funktioniert wie folgt: Investiert ein Anleger 1.000 Euro zu einem Zins von fünf Prozent im Jahr, hat er zu Beginn des zweiten Jahres bereits 1.050 Euro auf dem Konto. Wenn diese 1.050 Euro nun wiederum mit fünf Prozent verzinst werden, besitzt der Anleger am Ende des zweiten Jahres nicht bloß 1.100 Euro, sondern 1.102,50 Euro. Nach zehn Jahren ist das Gesamtvermögen so von 1.000 Euro schon auf 1.629 Euro angewachsen, nach 30 Jahre auf rund 4.322 Euro, und nach 40 Jahren sogar auf 7.040 Euro, allein durch die Verzinsung über lange Zeit. 

Der Zinseffekt wirkt sich umso stärker aus, je länger und höher verzinst das Geld angelegt wird. Er wirkt nicht nur beim Sparzins, sondern auch bei Dividenden und Kursgewinnen. Anleger, die nicht bloß einmal Geld investieren, sondern immer wieder, etwa mit Hilfe eines Sparplans, können im Lauf der Zeit ihrem Vermögen noch mehr auf die Sprünge helfen. Logischerweise trägt auch das zum Vermögenswachstum bei: Je länger in einen Sparplan eingezahlt wird, desto höher ist am Ende die Sparsumme. Klingt banal - ist aber tatsächlich ein Schlüssel zum Erfolg.

Ein Risiko kommt selten allein

Allerdings ist ein langer Investitionszeitraum nicht automatisch eine Garantie für eine ertragreiche Geldanlage. Denn Risikofaktoren können sich im Lauf der Zeit verändern. Dazu gehört etwa, wie viel Zukunftspotenzial eine Branche hat, in der man investiert möchte. Wer beispielsweise Geld in den Wasserstoffmarkt steckt, hat gute Chancen, langfristig Gewinne zu erziele, Investitionen in die Öl- oder Atomindustrie haben hingegen aus heutiger Perspektive ein weit geringeres Zukunftspotenzial. Anleger, die hier lang investiert bleiben, sollten regelmäßig überprüfen, ob die Unternehmen sich mit ihren Geschäftsmodellen an die neue Zeit anpassen. 

Die Liste der Risiken, die die Geldanlage beeinflussen können, ist übrigens lang und nicht immer leicht zu verstehen. Informieren können sich Anleger auf der Fidelity Themenseite zu Risiken und Risikomaßen und mit Hilfe des Ratgebers für den Umgang mit Schwankungen an den Märkten . Wer Vermögensverwaltung und Beratung lieber anderen überlässt, findet Rat bei Fidelity Wealth Experts .

Der perfekte Zeitpunkt?

Auch der Zeitpunkt, zu dem eine Investition erfolgt, ist nicht ganz unwichtig für die Risikobewertung. In der   Covid-19-Krise etwa haben Investoren profitiert, die zum Höhepunkt der ersten Welle eingestiegen sind. Im Frühjahr waren viele Titel günstig. Wer erst jetzt dazu kommt, Vermögen zu investieren, muss mehr bezahlen. Doch das Weltgeschehen und das Geschehen an den Märkten bleiben unvorhersehbar. Daher ist der richtige Zeitpunkt immer erst im Nachhinein zu erkennen.

Anleger, die den günstigen Einstiegszeitpunkt im Frühjahr verpasst haben, brauchen sich also nicht zu ärgern. Künftige Investitionen sollten sie besser gestaffelt vornehmen - und die unmögliche Suche nach dem idealen Zeitpunkt zu umgehen. Wer also etwa über eine Summe von 30.000 Euro verfügt, kann 10.000 Euro direkt zu investieren, weitere 10.000 Euro in einem halben Jahr und das letzte Drittel in einem Jahr - und das völlig unabhängig davon, wo die Märkte dann gerade stehen. So verringert jeder automatisch das Risiko, zum falschen Zeitpunkt zu beginnen.

Was lange währt

Zeit ist also ein essenzieller Faktor in der Geldanlage. Mit genügend Zeit lassen sich Risiken aussitzen und minimieren, weil sich Schwankungen immer irgendwann ausgleichen. Außerdem bedeutet mehr Zeit automatisch mehr Geld, weil der Zinseffekt in Aktion tritt und Anlegern auf lange Sicht umso mehr Vermögenszuwächse erwarten können. Das gilt für Sparzinsen genauso wie für Dividenden und Kursgewinne. Zeit ist also Geld - und Geld braucht Zeit.

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