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Fidelity-Indikator: Chinas Wirtschaft startet durch

Ian Samson

Ian Samson - Portfolio Manager

Die GEARs („Gauges of Economic Activity in Real Time“, zu Deutsch ein Maß der Wirtschaftsaktivität in Echtzeit) stellen das Wachstum der vergangenen drei Monate auf Jahresbasis dar. Der Fidelity-Indikator gibt dadurch Auskunft über die Dynamik von Volkswirtschaften. Im Juni erholte sich der Indikator etwas, liegt jedoch immer noch auf einem extrem niedrigen Niveau. Der jüngste Einbruch der GEARs war etwa doppelt so stark wie am Tiefpunkt der Globalen Finanzkrise.

China bildet jedoch die große Ausnahme. Der China-GEAR lag zuletzt bei 16 Prozent, der höchste Wert seit einem Jahrzehnt. Die Schrumpfung durch die Coronakrise ist dadurch noch nicht ganz ausgeglichen, dennoch ist diese Dynamik beeindruckend.

China war das erste Land, das seine Wirtschaft stilllegte, und auch das erste, das die Beschränkungen wieder aufhob. Wir glauben jedoch nicht, dass andere Volkswirtschaften die gleiche Entwicklung durchmachen werden.

Besonders schnell erholt haben sich in China Immobilien- und staatliche Investitionen sowie die Industrieproduktion. Der Konsum hinkt noch etwas hinterher, jedoch legen Online-Händler deutlich an Marktanteilen zu. Am 18. Juni, dem Tag eines jährlichen Shopping-Festivals, wickelten die Online-Händler Alibaba und JD.com Transaktionen im Rekordvolumen von 136 Milliarden Dollar ab.

Die Frage ist nun, ob die Maßnahmen westlicher Industriestaaten, darunter Liquiditätsspritzen für Unternehmen und finanziellen Hilfen für Verbraucher, ebenso wirksam sind wie die chinesischen Maßnahmen. Wir halten das für unwahrscheinlich, auch wenn die staatlich besicherten Kreditprogramme vieler Industriestaaten den chinesischen Schritten schon eher ähneln als alles, was zuvor kam.

Südkorea kann starken Einbruch vermeiden, Großbritannien ist Schlusslicht

Südkorea liefert ein weiteres Beispiel für einen relativ erfolgreichen Umgang mit der Krise. Der GEAR für Südkorea liegt zwar im negativen Bereich, jedoch ist er nur rund ein Drittel so stark gefallen wie in anderen Industriestaaten. Da vergleichsweise wenige Menschen dort an Covid-19 erkrankten, es nur wenig Tourismus gibt, die Wirtschaft eng mit der chinesischen verzahnt ist und stark auf der recht isolierten Halbleiterbranche baut, stellt Südkorea wahrscheinlich den bestmöglichen Verlauf dar.

Die Erfahrungen anderer Länder, die zwar auf Abstandsregeln, aber nicht auf Ausgangssperren und Stillstand setzten, könnten ein besserer Indikator dafür sein, wie sich Volkswirtschaften vor dem Hintergrund der Pandemie entwickeln können. Der GEAR für Schweden liegt bei minus 9,7 Prozent, für Japan bei minus 11,3 Prozent.

Die USA haben sich mit minus neun Prozent vergleichsweise gut entwickelt, was jedoch auch damit zu tun haben könnte, dass von dort im Vergleich zu anderen Ländern mehr Datenpunkte aus dem Mai verfügbar waren. Die Entwicklung im Einzelhandel hat auch hier positiv überrascht, jedoch sind gerade die am stärksten betroffenen Branchen wie Dienstleistungen und Gastronomie nicht eingeschlossen.

Die Liste der Nachzügler überrascht wenig. Sie umfasst vor allem Schwellenmärkte wie Brasilien, Mexiko und Indien, die aus verschiedenen Gründen weniger effektiv mit der Ausbreitung der Krankheit umgehen konnten. Unter den Industriestaaten hat sich der GEAR für Großbritannien mit minus 15,1 Prozent von allen am schlechtesten entwickelt.

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