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Ein Blick unter die Motorhaube passiver Anlagestrategien

Dorcas Phillips

Dorcas Phillips - Director, ETF

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Mit passiven Anlagestrategien wollen Anleger vor allem kostengünstig und unkompliziert investieren. Aber so einfach ist die Sache nicht. Die Auswahl an unterschiedlichen ETFs ist groß. Daher stellt sich die Frage: Welche Unterschiede gibt es, und welches Produkt ist nun das richtige für mich?

Wer in passiv verwaltete Indexfonds investiert, muss sich als erstes entscheiden, auf welchen Index er setzen will. Denn kein Index gleicht einem anderen. Ein Anleger, der sich etwa bei nordamerikanischen Standardwerten engagieren möchte, kann zwischen verschiedenen Indizes wählen. Diese reichen vom MSCI USA über den MSCI North America und den Dow Jones Industrial Average bis hin zum S&P 500. Sie alle können den gleichen Markt abdecken, bieten aber unterschiedliche Engagements: Zum Beispiel bildet der MSCI USA die Kursentwicklung von 600 führenden US-Aktien ab, während sich der S&P 500 aus 500 Standardaktien zusammensetzt.

Darüber hinaus gibt es mindestens zwölf weitere alternative Indizes für kleine und mittelgroße Unternehmen, sowie solche, die bestimmte Themen wie Dividenden in den Fokus rücken. Bei einer derart großen Auswahl müssen Anleger die Zusammensetzung der verschiedenen Indizes sorgfältig unter die Lupe nehmen, um den für sie besten ETF zu finden. (ETFs oder börsengehandelte Fonds sind in den meisten Fällen passiv verwaltete Indexfonds. Es gibt jedoch auch aktiv verwaltete Fonds, deren Anteile über die Börse gehandelt werden können. Da im typischen Sprachgebrauch die Begriffe ETF und passive Fonds synonym verwendet werden, handhaben wir es in diesem Text genauso.)

Ist eine Anlage in ETFs automatisch gut diversifiziert?

Ein ETF bietet nicht automatisch eine ideale Diversifizierung. Die meisten Indizes sind kapitalisierungsgewichtet. Das heißt: Je größer ein Aktienunternehmen, desto größer auch sein Anteil am Index – und am ETF. So stammen über 60 Prozent der Aktien im MSCI World Index aus den USA.

Das zeigt, wie zwei auf den ersten Blick vergleichbare Indizes feine, aber signifikante Unterschiede aufweisen. Südkorea ist zum Beispiel im FTSE Emerging Market Index nicht enthalten, im MSCI Emerging Markets Index hingegen schon. Und damit auch Samsung, dessen Aktienkurs 2017 um 40 Prozent hochschnellte.

Besitzt man mit einem ETF wirklich jede Aktie eines Index?

Bei passiven Fonds muss sich ein Anleger zuerst zwischen physischen ETFs und synthetischen ETFs entscheiden.

Während ein physischer börsengehandelter Fonds tatsächlich in die Wertpapiere eines Index investiert, setzt ein teilsynthetischer oder synthetischer ETF auf Derivate, um den zugrunde liegenden Index nachzubilden. Derivate sind Finanzprodukte, mit denen Anleger in einen Markt investieren können, ohne die fraglichen Werte (etwa Aktien oder Rohstoffe) wirklich zu besitzen.

All diese passiven Anlagestrategien bieten unterschiedliche Renditen und Risiken, Vor- und Nachteile. Welche Art des ETFs nun besser ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. So bieten etwa synthetische ETFs einen besseren Zugang zu Schwellenländern und nichtmetallischen Rohstoffen, da diese teils verderblich sind oder die Lagerung der physischen Rohstoffe besonders teuer ist.

Synthetische ETFs können in illiquiden Märkten billiger sein und solche Märkte zudem möglicherweise besser nachbilden. Denn wo wenig angeboten und nachgefragt wird, sind die Preisschwankungen oft höher und der Handel aufwändig.

Wie finden Sie die besten ETFs?

Die Rendite eines ETFs ist nicht immer gleich der Rendite des zugrundeliegenden Index. Deshalb müssen Anleger die unterschiedlichen Methoden verstehen, mit denen gemessen wird, wie gut ein Fonds einen Index abbildet. Der Renditeunterschied kann sich ergeben aus:

  • den ETF-Gebühren
  • der Methode der Indexnachbildung
  • den Fähigkeiten des Fondsmanagers.

Fondsgebühren werden bei der Wertentwicklung des Fonds berücksichtigt und können diese im Vergleich zum Index schmälern. Auf lange Sicht können sich diese Gebühren erheblich auf die Rendite auswirken. Daher sollte ein wettbewerbsfähiger Preis ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl eines Fonds sein.

Bei physischer Replikation eines Index verwenden Fondsmanager häufig eine von zwei Nachbildungsmethoden. Die häufigste ist die vollständige Replikation. Hierbei wird ein Portfolio erstellt, das alle relevanten Wertpapiere des Index in ihrer jeweiligen Gewichtung beinhaltet. An einigen illiquideren Märkten kann das problematisch sein, und der Kauf von Aktien aus jeder Komponente hat höhere Transaktionskosten zur Folge.

Die zweite Methode ist das sogenannte Sampling. Dabei wird eine Auswahl der Wertpapiere erworben, aus denen sich der Index zusammensetzt. Das hilft bei Liquiditätsproblemen oder wenn sich der Index aus einer großen Zahl von Beständen zusammensetzt. Mit der Auswahl wird versucht, eine Übereinstimmung mit den grundlegenden Merkmalen des Index zu erreichen und dessen Renditen nachzubilden. Mit diesem Verfahren steigt jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Renditen von Fonds und Index nicht parallel entwickeln.

Unabhängig von der Methode, die der Fondsmanager verwendet, ist nach wie vor von Bedeutung, wie gut es ihm gelingt, die gewählte Methode umzusetzen. Denn auch passive Fonds haben einen Manager. Ein guter Manager weiß zum Beispiel die Kosten für den Kauf und Verkauf von Wertpapieren gering zu halten.

Die Differenz zwischen der Rendite des Fonds und der des Index wird auf zwei Arten gemessen - anhand der Tracking-Differenz und des Tracking Errors. Die Tracking-Differenz bezeichnet den Unterschied zwischen der Rendite des Fonds und des Index, während der Tracking Error definiert ist als Volatilität der Tracking-Differenz. Diese Kennzahlen findet man in den Fondsinformationen.

ETFs bei Marktstress

Bei normaler Marktlage fließt Kapital in zwei Richtungen: Anleger kaufen und verkaufen. Bei Stress an den Märkten ist die Zahl der Verkäufer jedoch schnell höher als die der Käufer. Im Gegensatz zu herkömmlichen Fonds haben börsengehandelte Fonds nicht die Möglichkeit, Barmittel zu halten. Wenn Anleger also ihr Kapital zurückfordern, sieht sich ein ETF-Manager möglicherweise gezwungen, die zugrunde liegenden Vermögenswerte zu welchem Preis auch immer zu verkaufen.

Dabei wählt er anders als bei aktiven Strategien nicht zuerst die riskantesten oder liquidesten Märkte oder Titel aus, sondern einen Teil des gesamten zugrunde liegenden Index. Dies kann erhebliche Auswirkungen auf die Wertentwicklung und die Transaktionskosten haben und viele unbedarfte Anleger, die eine Nachbildung des Index mit niedrigen Gebühren erwartet hatten, auf dem falschen Fuß erwischen.

Die Wertpapierleihe

Die Wertpapierleihe ist eine Möglichkeit für Fondsmanager, die Gebühren passiver Fonds zu senken. Hierbei werden Wertpapiere aus dem Portfolio eines Fonds gegen eine Gebühr an Dritte ausgeliehen. Diese wird in der Regel im Verhältnis 60:40 zwischen Anleger und Fondsmanager aufgeteilt. Dadurch ist es möglich, dass manche ETF-Anbieter ihre Fonds sogar zum Nulltarif verkaufen.

Aber nicht immer ist die Ausleihe von Wertpapieren zum Vorteil der Anleger. Ihr größtes Risiko ist, dass der Entleiher der Vermögenswerte möglicherweise nicht in der Lage, die Papiere zurückzugeben. Ein Großteil dieses Risikos wird dadurch gemindert, dass der Entleiher Sicherheiten stellt und diese bei einem Dritten hinterlegt. Beim Ausfall des Entleihers gehen die Sicherheiten in das Eigentum des Verleihers über.

Aber auch die Qualität der Sicherheiten ist wichtig, denn das Risiko trägt allein der Anleger, nicht der Fondsmanager. So kann sich der Anleger eines FTSE100-ETF ungewollt als Eigentümer koreanischer Kleinunternehmen wiederfinden. Zudem ist es unwahrscheinlich, dass Erträge aus der Wertpapierleihe die Risiken, insbesondere bei Marktabschwüngen, kompensieren.

Fazit: Seien Sie aktiv bei Ihrer passiven Anlagestrategie

Wie bei allen Anlagestrategien müssen sich Anleger auch bei passiven Strategien über ihre Ziele im Klaren sein und alle relevanten Risiken kennen, bevor sie investieren. Vor der Allokation müssen sie entscheiden, welche Bausteine sie verwenden wollen: aktive, passive oder alternative Strategien. Aktive und passive Fonds können sich im Portfolio gut ergänzen.

Die Auswahl der richtigen passiven Strategie - und des Anlageinstruments - erfordert ein gutes Verständnis seitens des Anlegers, um sicherzustellen, dass das Produkt hält, was es verspricht und es keine unangenehmen Überraschungen gibt. Eine passive Anlage sollte unkompliziert sein und den Erwartungen der Anleger hinsichtlich Risiko und Rendite entsprechen. Das ist jedoch nur mit einer vorsichtigen Auswahl der Fonds möglich.