Traditionelle Anleihen fallen für die Diversifikation eines Portfolios immer häufiger aus. Investoren, die zu Alternativen greifen, müssen damit womöglich auf Rendite verzichten. Entscheidend sind Anlageprodukte mit geringerer Korrelation.

Eines hat uns das Jahr 2020 überdeutlich vor Augen geführt: Man sollte sich nicht darauf verlassen, dass sich die Dinge stets so verhalten wie erwartet. Der Ausnahmezustand, in den uns die Covid-19-Pandemie manövriert hat, stellt Gewissheiten infrage - und deckt schonungslos bislang ungeahnte Risiken auf. Welcher Restaurantbetreiber, Reiseveranstalter oder Einzelhändler hätte Ende des Jahres 2019 schon damit gerechnet, einem toxischen Wechselspiel von Lockdowns und Lockerungen ausgesetzt zu sein?

Die besten ihres Fachs haben schnell gelernt, neue Lösungen zu finden, dort, wo alte Regeln und Rituale nicht mehr taugen. Investoren am Kapitalmarkt stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Bei uns geht es zwar weniger um Ladenöffnungszeiten und Einreisebestimmungen. Stattdessen dreht sich vieles um die Beziehung zwischen einzelnen Anlageprodukten und -klassen, also um Korrelationen. Denn es ist entscheidend für den Erfolg eines Investments, ob es gelingt, Kapital so aufzuteilen und zu streuen, dass die Ertragschancen möglichst hoch bleiben, während Verlustrisiken schrumpfen. Das funktioniert nur, wenn ein Anlageobjekt dem anderen in der Krise gewissermaßen als Absicherung dient und sich als stabil erweist. 

Streugut für die Pandemie

Diversifikation heißt das Schlüsselwort für diese Aufgabe des Portfoliomanagements. Und dabei fanden sich viele Kapitalmarktteilnehmer zuletzt ebenfalls einem Wechselspiel von Kräften ausgesetzt, die in Krisensituationen immer wieder etablierte Mechanismen in Frage stellen. Beim Kurseinbruch im März 2020 beispielsweise, als die erste Pandemie-Welle die Börsen erreichte, sanken nicht nur die Aktienkurse auf breiter Front. Auch viele Anleihen - nach der reinen Lehre eigentlich Gewinner von Aktienkursverlusten - verloren an Wert oder konnten Verluste jedenfalls nicht ausgleichen oder gar wettmachen. Dieses Phänomen konnte auch zuvor schon in Krisen beobachtet werden, und es erschwert zusehends die Diversifikation. Ein Grund dafür sind die Notenbanken und Finanzminister, die mit ihrer Krisenintervention die niedrigen Zinsen auf lange Zeit festgesetzt und damit die Renditepotenziale stark eingeschränkt haben.

Nun wird es in Sachen Zins- und Fiskalpolitik jedenfalls auf kurze Sicht keine Wende geben. Daher müssen Investoren wohl oder übel zunehmend nach alternativen Anlagen suchen, um Kursrisiken im Portfolio anders zu steuern und beherrschbar zu machen. Womit könnte das Ziel dann gelingen? Die Alternativen klingen mehr oder weniger exotisch: Immobilien könnten helfen, sind aber nach historischen Standards recht teuer. China-Bonds erscheinen durch geringe Korrelationen sehr interessant, es ginge aber auch über Long-Short-Währungs-Investments, also Pair-Tradings, über Vola-Investments oder vielleicht auch mit Krypto-Währungen, die zuletzt viel mediale Aufmerksamkeit gewinnen konnten.

Schwache Korrelation statt starker Performance

All diese Alternativen haben eines gemeinsam: So sehr sie auch mit ihrem Schwankungsprofil vom Verlauf der Aktienmärkte abweichen, so hoch sind wiederum die Risiken, dass sie selbst die Rendite im Depot schmälern und gefährden könnten. Andere erweisen sich als nicht sonderlich ertragreich, sie leisten also - ähnlich wie Staatsanleihen - unter Umständen keinen aktiven Wertbeitrag für das Portfolio.

Es wäre allerdings  arglos, auf Beimischungen im Portfolio allein deshalb zu verzichten, weil sie keinen eigenständigen positiven Beitrag leisten. Denn Renditeoptimierung über Diversifikation funktioniert in erster Linie über Gefahrenabwehr und Schutzmechanismen, als Hedging. Dafür ist nicht eine möglichst starke Performance entscheidend, sondern hauptsächlich eine möglichst geringe Korrelation. Das hat in Krisenzeiten, in denen ein hoher Gleichlauf der üblichen Assetklassen beobachtet werden kann, einen nicht zu unterschätzenden Mehrwert.

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